Schöne Weltnomadenkunst
Der israelische Künstler Absalon war ein Architekt der Isolation. Seine penibel weißen «Zellen» besaßen Bett, Schrank, Tisch, Stuhl, Mini-Küche, Hock-Klo und Neon-Licht, und wenn es ein Fenster gab, dann nur als Schlitz. Ob die Abschottung in diesen bewohnbaren Monaden erzwungen oder freiwillig sein sollte, Mönchsklause oder Isolationshaft, ließ Absalon offen.
Schutz vor sich selbst und Schutz für die Anderen schienen aber in einem Konzept der zölibatären Selbstdisziplinierung zusammenzugehen, denn die Zellen in ihren unterschiedlichen, durchaus künstlerischen Formen hatten Türen ohne Schloss. Doch die Rettung in der Isolation besaß auch eine mobile Komponente. Obwohl seine Zellen in Wohnwagengröße keine Räder hatten, waren sie auch nicht mit dem Boden verbunden und wurden von Absalon selbst für den Einsatz in verschiedenen Städten konzipiert: ein Bild für den Weltnomaden, der sein Gefängnis überall mit hin nimmt.
Armin Petras’ (alias Fritz Kater) neues Stück «Abalon, One Nite in Bangkok» beginnt nun mit einer Widmung an den 1993 mit 29 Jahren an AIDS gestorbenen Künstler, die einen Haufen sachlicher Fehler enthält: «abalon war ein israelischer künstler, er baute weiße kleine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Indien ist aus Sicht vieler Deutscher ein Masala aus Ashram, Ayurveda und Analphabetenquote, oder auch aus Chaos, Kasten, Computerexperten, kurz: ein Gemisch der Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen. Nicht nur die Entfernung sorgt für das Zerrbild: Indien ist ein ungeheuer komplexes Land mit fast einer Milliarde Menschen, knapp 20 offiziellen, angeblich 400...
Das polnische Theater hat sich nach 1989 lange Zeit als Raum der reinen Kunst bestimmt. Politische Fragen sollten anderswo diskutiert werden und das Theater, das in der lähmenden Zeit des Kriegsrechts gelitten hatte, in aller Ruhe seine Rolle im neuen Polen finden. Krystian Lupa stieg mit seinen oft vielstündigen Romanbearbeitungen zum überragenden Regisseur jener...
Schon wieder ein Buch, das töten kann. Es ist 735 Seiten dick (siebenhundertfünfunddreißig). Es heißt «Neunzehnsechsundneunzig bis Zweitausendundsechs», schlichtes Schwarz auf schlichtem Weiß. Todesanzeige. Nahkampftauglich für Freunde des Hammerwerfens. Es umfasst die zehn Jahre, die Intendant Michael Schindhelm auch im Theater Basel weilte. Oper, Tanz,...
