Schöne Weltnomadenkunst
Der israelische Künstler Absalon war ein Architekt der Isolation. Seine penibel weißen «Zellen» besaßen Bett, Schrank, Tisch, Stuhl, Mini-Küche, Hock-Klo und Neon-Licht, und wenn es ein Fenster gab, dann nur als Schlitz. Ob die Abschottung in diesen bewohnbaren Monaden erzwungen oder freiwillig sein sollte, Mönchsklause oder Isolationshaft, ließ Absalon offen.
Schutz vor sich selbst und Schutz für die Anderen schienen aber in einem Konzept der zölibatären Selbstdisziplinierung zusammenzugehen, denn die Zellen in ihren unterschiedlichen, durchaus künstlerischen Formen hatten Türen ohne Schloss. Doch die Rettung in der Isolation besaß auch eine mobile Komponente. Obwohl seine Zellen in Wohnwagengröße keine Räder hatten, waren sie auch nicht mit dem Boden verbunden und wurden von Absalon selbst für den Einsatz in verschiedenen Städten konzipiert: ein Bild für den Weltnomaden, der sein Gefängnis überall mit hin nimmt.
Armin Petras’ (alias Fritz Kater) neues Stück «Abalon, One Nite in Bangkok» beginnt nun mit einer Widmung an den 1993 mit 29 Jahren an AIDS gestorbenen Künstler, die einen Haufen sachlicher Fehler enthält: «abalon war ein israelischer künstler, er baute weiße kleine ...
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Vorbemerkung
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