Schöne neue Welten

Was will der zeitgenössische Tanz – und was kann er? Statt sich in die Widersprüche hineinzubegeben, thematisiert man sie nicht einmal mehr: Beobachtungen von der Tanzplattform Deutschland in Frankfurt am Main

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Tanzplattformen sind immer auch Stimmungsbarometer der Tanzszene. Sie liefern Querschnitte durch die Zeit und umreißen so den Stand der Dinge. Betrachtet man die jüngste Ausgabe der Tanzplattform Deutschland, die nach zwanzig Jahren erneut in Frankfurt am Main stattfand, will der Tanz vor allem wieder eins: sich der Welt zuwenden und Lösungsvorschläge für gesellschaftliche Probleme machen. Der Anspruch, politisch zu sein und die Probleme der Gegenwart zu bearbeiten, ist bei vielen der zwölf gezeigten Stücke unverkennbar. Bei den Resultaten sind jedoch Zweifel angebracht.

Der Tanz war immer anfällig für Ideologien aller Art. Vom US-amerikanischen Nationalismus bis hin zum deutschen Faschismus und den Arbeiterbewegungen – Tanz hat sich gerade auch in der Moderne immer als Motor des Fortschritts in den Dienst nehmen lassen – ein Erbe, welches er seit der Verherrlichung absolutistischer Herrschaft am Versailler Hof des Sonnenkönigs nicht loszuwerden scheint. Viele der gezeigten Stücke scheinen sich heute eher an diese fragwürdige politische Tradition des Tanzes anschließen zu wollen als an das, was in den vergangenen vierzig Jahren tonangebend war.

Vorbei jedenfalls die Zeit, als ...

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Theater heute Mai 2016
Rubrik: Tanztheater, Seite 52
von Gerald Siegmund

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