Auf verlorenen Posten

Armin Petras glaubt nicht mehr an Lessings «Nathan», und sein Alter Ego Fritz Kater bedient sich ausgiebig bei Johannes Mario Simmel: «I'm searching for I:N:R:I»

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 Wer glaubt noch «Nathan»? Lessings akkuratem Fünfakter von der überlegenen Weisheit einer aufklärerischen Vernunft, die sich über alle Religionen hinweg mit souveräner Toleranz durchsetzt? Dieser aufklärerischen Utopie einer Humanität, vor der alle Menschen gleich sind wie in einer großen Familie, die sich am Ende segensreich um den Hals fällt? Wer könnte solche Flötentöne aufs hohe Lied der Brüder- und Schwesterlichkeit in Zeiten reli­giösen Fundamentalismus’, sich überschlagender Flüchtlingskrisen und europäischer Grenzschließungen überzeugend anstimmen?

Andererseits

waren die Zeiten selten besser für Lessings «dramatisches Gedicht». Schließlich hat es sein Autor nicht als das bequeme Erbauungsgesäusel geschrieben, zu dem der Schulbuchklassiker geworden ist, sondern als politische Streitschrift. Ging es damals gegen den autokratischen Anspruch einer christlichen Herrschaftsreligion, wäre heute die Ohnmacht einer idealistischen Position ein Hebel für Nathans Widerspruch. Allerdings muss man diesem unglaublichen «Nathan» dafür auch ein Stück weit glauben. Sprich: vertrauen.

Menschen im Hotel

Armin Petras hat sich dem Problem über einen Umweg genähert, sowohl ästhetisch als ...

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Theater heute Mai 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Franz Wille

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