Schicke Clique
Wir sind nicht in Rom, wir sind nicht in Ägypten, wir sind auch nicht antik, nein, wir sind so jung, so reich, so cool, und wir sitzen in der «Sodom & Gomorrha Show». Genau genommen sitzen wir mit «Antonius und Cleopatra» im Theater Basel. Der Refrain der Pet Shop Boys stampft durch unsere Gehörgänge, und vorn an der Rampe reiht sie sich auf, Cleopatras Chorus-Line. Eine schicke Clique. Ausgestattet mit allem, was das Atelier des Zürcher Couturiers Tran Hin Phu hergibt.
Aufgekratzt durch den Auftritt ihres Alphamenschen: Marcus Antonius Superstar, der Siegreiche aus der Schlacht von Philippi, der nun in Alexandria Urlaub von der Politik nimmt, weil er Cleopatra und die große Geste liebt.
Jan Bluthardt tritt auf wie Sodoms Showmaster. Er quert die Brücke über den Sündenpfuhl, den Bühnenbildner Alex Harb als rot glühende Hades-Lounge im Boden versenkt hat. Antonius schenkt uns eine triumphale Pose, schreitet zur Königin, drückt ihr einen Kamerakuss auf die Lippen. Einen Kuss für die Massen und weniger für diese blondierte Cleopatra, die bei Renate Jett deutliche Züge des Alterns und überdeutliche Züge der Dekadenz zur Schau trägt. Wohin will so einer eigentlich mit so einer? Nun, ...
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Es wär’ ja nicht der Rede wert – dass Herr M. vom Berliner Boulevard, wie’s scheint, die eigene Uhr nicht lesen kann; und «Emil und die Detektive» zwei Drittel von drei, also ganze zwei Stunden lang per Video den Gauner Grundeis jagen sah. Und dass Frau B. zwar für die größere Frankfurter Zeitung schreiben darf, hinter der durchaus auch klügere Köpfe stecken, und...
Kurz nach Aufführungsbeginn flüstert mir Elke Heidenreich ins Ohr: «Ist genau wie beim Lesen. Nach zehn Minuten weiß man, ob ein Buch fesselt oder nicht.» Sie ist gefesselt. Schaut gebannt. Hört mit freudiger Aufmerksamkeit der Musik zu, die das Spiel begleitet, kontrapunktiert, steigert. Sie möchte ganz augenscheinlich am liebsten mit auf die Bühne.
Als wir uns...
«Wenn du bloß deine Eier leeren willst, sag nicht, dass du fürs Vaterland stirbst», staucht die junge Palästinenserin Imen den Nachbarssohn Amin zusammen, der einen israelischen Soldaten umgebracht hat und nun die Angst vor dem eigenen Tod mit dem Glauben an die 80 Jungfrauen im Märtyrerparadies niederringt. Vielleicht sind es Szenen wie diese, die Mohamed Kacimis...
