Schein und Sein

Shakespeare «Was ihr wollt» am Schauspiel Stuttgart

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Der Narr bleibt in Erinnerung: schlaksig, ein bisschen valentinesk, mit bayrischer Intonation. Singt altenglische Lieder oder pfeift sich eins, schießt imaginäre Liebespfeile ins Publikum, ist überall und nirgendwo. Felix Strobel spielt ihn mit geistreich-witziger Ernsthaftigkeit, mit warmer Stimme, feinsinnig mit den Worten jong -lierend.

Glaubwürdig, dass dieser Narr das Spiel um Sein und Schein, Täuschung und Verwechslung von Anfang an durchschaut – was zu einer merkwürdig aus dem Rahmen fallenden Szene an der Rampe führt: Er trifft auf Viola, die in Illy -rien gestrandete, als Mann verkleidete Adelige, und man lauscht plötzlich einem höchst intimen Gespräch zwischen zwei Vertrauten – das latent Geschlechtsidentitäten verhandelt.

Ein Theateraugenblick von großer Intensität, der an diesem Abend singulär bleibt. Warum aber bloß hat man Strobel eine Clownsmaske ins Gesicht gemalt und eine Prinz-Eisenherz-Perücke auf den Kopf gesetzt (Kostüme Ute Lindenberg)?

In Burkhard Kosminskis Inszenierung von Shakespeares Liebeskummerkomödie «Was ihr wollt» am Stuttgarter Schauspiel lassen sich die Figuren jedenfalls nicht in die Seele schauen. Subtilere Dialoge wirken oft länglich, weil die ...

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Theater heute Januar 2024
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Verena Großkreutz

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