Rufe des Schicksals

Lexikonauskünfte rund um Therese Giehse

Theater heute - Logo

Dass Renate Schmidt «völlig aus dem Häuschen» war, als sie Therese Giehse zum ersten Mal Mitte der sechziger Jahre sah, hatte zunächst keine schlimmeren Folgen. Dass die Giehse dann, als ihr der Regisseur Hans Hinrich Fräulein Schmidt als sein «bestes Pferd in Gelsenkirchen» vorstellte, mit dem Satz reagierte: «Na, dann mach mal», verstand das allerdings die mittlerweile nach Ulm engagierte Schauspielerin als Auftrag, ein Stück «Therese Giehse-H., German Actress» zu schreiben.

 Der Satz der Giehse, mehrere Begegnungen in Konzerten und, «natürlich, das Wichtigste», einige Rollen auf der Bühne (besonders Giehses Brecht-Abend) hatten sich nämlich bei ihr unauslöschlich «eingebrannt». 
 

Die folgenreichsten Verbrennungen erlitt Renate Schmidt, als sie in den Achtzigern aus Italien zurückkehrte und nach langem Suchen Monika Sperrs Buch über die Giehse «Ich hab nichts zum Sagen» unerwartet in der niederrheinischen Stadt Kleve auf der Straße fand: «Es hat da auf mich gewartet, von keinem sonst beachtet, völlig durchnässt, noch heute ist es ganz gewellt. Ich habe es auf der Bühne in meinem Giehse-Stück als Requisit bei mir.» Mit dem Buch und einem Hund bezog die Schauspielerin dann eine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2008
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Klaus Völker

Vergriffen
Weitere Beiträge
Weite, Tiefe, Höhe

Es war ein denkwürdiger Abend, Ende Mai im letzten Jahr, als «König Lear» am Wiener Burgtheater Premiere hatte. Diverse Shake­speare-Stücke waren im Rahmen von Klaus Bachlers Shakespeare-Zyklus bereits über diese Bühne gegangen und alsbald wieder vergessen worden. Nun das: ein Epos von fünf Stunden, mit großem Atem inszeniert, märchenhaft und hochaktuell in einem –...

Künstlerdämmerung

Langweilig ist es nicht in Johannes Leppers letztem Intendantenjahr am Theater Oberhausen. Thirza Bruncken hat eine völlig durch­geknallte Version von Dürrenmatts «Besuch der alten Dame» inszeniert, und der leise, behutsame Valentin Jeker verabschiedet sich mit einem atmosphärisch stimmigen «Kaufmann von Venedig» vielleicht ganz aus dem Theatergeschäft. Auch Lepper...

Richards Liebeskonzil

In der Hölle liegt das wahre Paradies; auf Erden und im Himmel herrscht eine verdruckst spießige Erotik: Hans Neuenfels schändet Richard Wagners «Tannhäuser». Aber ganz leichthin, von oben herab, fast mit einem Achselzucken nimmt er die Trümmer der Grand Opéra, des Erzromantischen und der hehren Ideale auf die leichte Schulter.

Doch zunächst stiftet der Regisseur...