Romane, Romane!
Theater heute John von Düffel, vor drei Jahren haben Sie für das Thalia Theater in Hamburg Thomas Manns «Buddenbrooks» dramatisiert, ein Stück, das nicht nur bis heute dort auf dem Spielplan steht, sondern in dieser Saison an zahlreichen Theatern nachgespielt wird. Worin besteht die künstlerische Herausforderung, wenn man aus einem 700-Seitean-Roman einen zweieinhalbstündigen Theaterabend macht?
John von Düffel Stephan Kimmig, der Regisseur in Hamburg, und ich hatten zunächst ein thematisches Interesse, das Thema Bürgerlichkeit.
Wir Bürgerkinder wollten über die Werte und auch die Deformationen unserer Herkunft nachdenken. Gleichzeitig herrschte damals auch gerade eine wirtschaftliche Depression, die viele den Absturz fürchten ließ. Uns schwebte so eine Art Archäologie des Familienkapitalismus vor: statt der Familie die «Firma Buddenbrook». Und wir entdeckten dann, dass das Buch gar nicht so ironisch und heiter ist, wie man es in Erinnerung hatte. Es steckt voller interessanter Grausamkeiten: am Körper der Familie, am Körper des Einzelnen. Die vielgerühmte Ironie des Buches wirkt da weniger souverän, sondern eher wie ein Schutz vor diesen Grausamkeiten.
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Theater heute November 2008
Rubrik: Dramatische Prosa, Seite 12
von Eva Behrendt, Barbara Burckhardt, Franz Wille
Zwerge kommen und gehen, Knaben verlieren Haupt und Leben, eisige Damen rätseln, von wem sie gerade entjungfert wurden. Hebbels «Trauerspiel in drei Abteilungen» ist passagenweise ein markiger Erzählstoff für lauschige Stunden am Lagerfeuer. Genau dort ist der urdeutsche Mythos in Heidelberg inzwischen auch angekommen. Die Recken rund um Hagen hausen im...
Besonders vertrauenserweckend sieht dieser Gerichtshof nicht aus: Die Toten und Erschlagenen des Stücks – Agamemnon, Kassandra, Klytämestra und Aigisth – kehren als blutverschmierte Gräuelleichen wieder, erklimmen ein mikrofonbestücktes Podium und bekommen von einer Elektra, die auch Pallas Athene sein könnte, vier kissengroße Richterperücken übergestülpt....
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