Rollende Planung
Franz Wille Es gibt im Moment die große Befürchtung, dass die Zuschauerströme in die Theater abreißen könnten, weil sich das Publikum durch die Pandemie vom Theater entwöhnt hat. Ist da etwas dran?
Sonja Anders Akut geht der Zuschauerstrom sicher zurück, und gleichzeitig verjüngt er sich. Es gibt zur Zeit eine gewisse Ängstlichkeit, oder besser: eine Vorsicht, gerade bei älteren Menschen.
Das sind nicht zuletzt Leute, die auf die Politik hören, die dazu aufruft, Kontakte zu reduzieren und nicht unbedingt notwendige Veranstaltungen zu meiden. Jüngere kommen dagegen eher verstärkt. Aber gerade sehen wir, dass Vorstellungen, von denen die Menschen wissen, dass sie sie auch noch im März oder April sehen können, ein bisschen aufgeschoben werden. Das betrifft auch die Abonnements. Einmalige Vorstellungen – gerade heute haben wir eine Lesung mit Angela Winkler – sind dann wiederum sehr gut besucht.
FW Das sind aber alles Entwicklungen, die sehr nachvollziehbar sind und reversibel erscheinen, wenn die Pandemie wieder abklingt.
Anders Ich glaube auch nicht an die Entwöhnungsthese. Aber was dafür vermutlich stimmt, ist die Gewöhnungsthese: Hin zum Zuhause; eine Scheu, sich Menschen ...
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Theater heute Februar 2022
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Franz Wille
Ein weißer Raum voller Gläser, Teller, Schüsseln, Tassen, Besteck, teils ausgepackt, teils noch in Papier gewickelt und Kisten verpackt: Schon vor einigen Jahren hat Regisseur und Autor Hakan Savas Mican bei einem der Herbstsalons des Berliner Gorki Theaters eine Installation eingerichtet, die von seiner Familiengeschichte erzählte. Eine veritable Aussteuer hat...
Schon schön, wenn einem Performancekunst erstmal lauter Fragezeichen aufs Gesicht malt. Im dunklen hohen Saal des Heizhauses auf dem Gelände der Berliner Uferstudios blickt man auf quer durch den Raum gebaute Mauern. Ziegel aus Steinwolle, meterhoch gestapelt und anscheinend wenig stabil – «Nicht anlehnen!», warnt eine Hilfskraft. Es gibt zwei dieser Mauern,...
Zunächst sieht alles nach einem Druckfehler der Dramaturgie aus. Laut Stückeinführung spitze Regisseur Antú Romero Nunes Goldoni weiter zu und fordere Verwechslungen und Doppelbödigkeiten heraus, die durch «den Blick eines rein weiblichen Ensembles auf die männlichen Stereotype des 19. Jahrhunderts zusätzlich an Schärfe und Aktualität gewinnen». 19. Jahrhundert?...
