Richard Wagner – neuer Schutzheiliger der orthodoxen Kirche

Der Skandal um Timofej Kuljabins «Tannhäuser»-Inszenierung am Nowosibirsker Opernhaus ist nur ein weiterer Höhepunkt im andauernden Konflikt zwischen weltlicher russischer Kultur und orthodoxer Kirche

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Lieben Sie die Klassik so wie die Russen? Sie, musikalische Italiener, und Sie, ironische Briten? Du, scharfsinniger Gallier, und Du, düsterer Germane?

Die leidenschaftlich-selbstlose und hysterische Klassikerliebe ist in Russland schon längst nicht mehr nur die Hingabe an das Schöne. Es ist die Liebe zu etwas Sakrosanktem, nicht in Frage zu Stellendem, das die gesamte Gesellschaft durchzieht – vom Kindergarten bis zur Kunsthochschule, von der Wäscherei bis zum Kulturministerium.

Selbst eine so mächtige Institution wie die Russisch-Orthodoxe Kirche (ROK) brachte sich zur Verteidigung der Klassik in Stellung. Der Vorsitzende der Informationsabteilung der Synode der ROK, Wladimir Legoida, zum Beispiel, lehnte die «Tannhäuser»-Inszenierung von Timofej Kuljabin kategorisch ab – die er selbstverständlich in bester russischer Tradition nicht einmal gesehen hat. Seine Meinung allerdings darf man faktisch als den offiziellen Standpunkt der ROK ansehen.

Hätte der Missbrauch religiöser Symbole die kirchlichen Oberhäupter erregt, hätte mein empörter Verstand das noch irgendwie verstehen können. Herr Legoida allerdings entrüstet sich über künstlerische Aspekte der Inszenierung: «Fachleute, die ...

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Theater heute August/September 2015
Rubrik: Ausland, Seite 40
von Marina Davydova

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