Revolutionen – privat und politisch
Kohlenrutsche, Müllschlucker, Schüttgutrampe – Olaf Altmanns Bühnenbild ist eine Großmetapher, eine graue Halfpipe des Geschichtsfatalismus. Es geht nur abwärts, keiner kommt empor, alles rauscht bergab. Entweder man bleibt hübsch oben in Distanz, oder man saust abwärts mit rasanter Fahrt in den Abgrund auf die Vorderbühne, zurückklettern geht nicht. Allenfalls kann man sich an die riesige Klappe klammern, die sich über der steilen Rundung manchmal öffnet, manchmal schließt, und sich emporziehen lassen.
In diese gefährliche Bühnenwelt stellt Armin Petras seine Inszenierung von Büchners «Danton Tod» zur Eröffnung der Spielzeit und zur feierlichen Rückkehr des Theaters aus der Interimsspielstätte in das Schauspielhaus. Aber das Schauspielhaus, in dem nun wieder alle Vorstellungen des Düsseldorfer Theaters stattfinden werden, ist immer noch eine riesige Baustelle: von außen wie ein Atomkraftwerk im Rückbau, unverblendeter Beton auch innen überall, man stolpert hinein ins Haus auf behelfsmäßig hergestellten Wegen. Die vorzeitige Rückeroberung des in Renovierung begriffenen Hauses ist ein Sieg. Doch das Bühnenbild für Büchners Geschichtsdrama ist ein Anspruch, den die Inszenierung kaum ...
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Theater heute November 2019
Rubrik: Starts, Seite 33
von Gerhard Preußer
Wie die Welt untergehen wird? «Unter dem Jubel ihrer witzigsten Köpfe, die da meinen, es wäre ein Witz», heißt es im «Untergang der Titanic» von 1978. Klingt grob, aber genau das ist es, was die apokalyptische Komödie von Hans Magnus Enzensberger jetzt, angesichts der anstehenden Klimakatastrophe, so aktuell macht: die Vorstellung der Katastrophe als Witz.
Ein...
Es ist ein altbekanntes Phänomen und bleibt doch komplett grotesk: Das Opernpublikum bejubelt frenetisch jede einzelne Diva, jeden Tenor und Bariton, spendet Bravos für Dirigent und Orchester und schaltet abrupt in dem Moment um, an dem der böse Regisseur die Premierenbühne betritt. Aus dem offensichtlich eben noch kollektiven Hochgefühl wird Empörung, Hass, ein...
Es beginnt märchenhaft. Das erste Bild von Thomas Heises neuem Film «Heimat ist ein Raum aus Zeit» ist die langsame Bewegung nach oben, einen grünen Pfahl entlang, der auf Waldboden steht. Am Ende des Pfahls ist ein Schild angebracht mit den Worten: «Nach der Legende stand hier Großmutters Haus.» Was dann folgt, ist allerdings keine Fabel, sondern Dokumentarismus...
