Raum für Experimente?
Für die Briten ist ihre Monarchie nicht nur kuschelige Tradition, die mit ihren Skandälchen, guten Taten und Schwangerschaften die Regenbogenpresse beglückt, sondern auch immer wieder knallharter Wirtschaftsfaktor. Alle Jahre wieder wird öffentlich diskutiert, wie viel die Queen und ihr Clan den Steuerzahler kosten; regelmäßig hält man dagegen, wieviel Mehrwert sie dem Staat, vor allem über die Touristenschiene, aber auch als nationaler Kohäsionsfaktor und als Großbritanniens nobelste Celebrity bringt.
Beeindruckendes Kapital geschlagen hat aus der Monarchin auf jeden Fall der Autor Peter Morgan. Sein Filmscript zu «The Queen», in dem die Grande Dame der englischen Theater- und Filmwelt Helen Mirren der Königin überzeugend unaufwändig dramatische Gestalt gab, hat schon einen dramatischen Nachfolger: «The Audience». Es zeichnet mögliche Begegnungen der Queen mit acht der zwölf Premierminister nach, die sich in ihrer sechzigjährigen Amtszeit die Klinke von Number 10 Downing Street in die Hand gaben. Und wieder mit Helen Mirren als royaler Protagonistin.
Die wöchentlichen königlichen Audienzen der britischen Premiers haben lange Tradition und sind Teil der insularen konstitutionellen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August/September 2013
Rubrik: Ausland, Seite 48
von Patricia Benecke
Der Mann kommt hier nicht mehr lebendig raus – das Bühnenbild von Beate Zoff lässt da keinen Zweifel. Mächtige graue Steinwände ragen drohend im hinteren Teil der Bühne empor und zeigen so, dass der Titelheld des Stückes «Der Kaufmann von Stuttgart» schon zu Beginn des Abends ein Gefangener ist. Der Bühnenboden ist ein großer Davidstern, der auf die jüdische...
Glücklich ist Schiller vor mehr als 200 Jahren in Mannheim nicht gewesen. «Mannheim ist schlechterdings keine Atmosphäre für mich», schrieb er an einen Freund, nachdem Nationaltheater-Intendant Dalberg dem 1782 aus Württemberg Vertriebenen die
Unterstützung verweigert hatte. Tempi passati. Heute hat man Schiller in Mannheim so lieb, dass er so etwas wie der...
1998 mutete der Bühnenberserker Einar Schleef seinen Zuschauern bei der Uraufführung von Elfriede Jelineks bissiger Farce «Ein Sportstück» über sechs Stunden Spielzeit zu – eine Burgtheaterinszenierung, die mit über 80 Dauertrimmern und sportgeilen Testosteronbomben auf der Bühne legendär wurde. Geradezu harmlos wirkt dagegen, was derzeit am Staatstheater...
