Frauengefängnis
Aus der Erinnerung gibt es kein Entkommen, sie vergiftet die Gegenwart in vielen Schichten. Spektakulär und alptraumhaft verschieben sich die Wände, die Andreas Kriegenburg in Düsseldorf als Bühne gebaut hat. Immer neu beleuchtete klaustrophobische Räume wachsen hier wie Lebewesen: Von der einen Seite sind es holzarti -ge Lattenzäune, von der anderen Seite sterile, nackte Krankenhaustüren.
Sie kommen von oben oder von unten, verschieben, verengen, begrenzen, bedrängen, bilden immer neue Gefängnisse, reale und innere in den Köpfen der drei Frauen, die im Zentrum des Geschehens stehen, die Alte, die Mittlere und die Junge. «Die Alte» liegt im Krankenhaus, nachdem sie gestürzt ist, im April 1945 denunzierte sie einen Soldaten, der desertieren wollte und dafür standrechtlich erschossen wurde. Nach Kriegsende wurde sie verurteilt und kam zwölf Jahre lang in Haft.
Doch Ewald Palmetshofer, der 2015 mit dem Stück «die unverheiratete» den Mülheimer Dramatikerpreis gewann und in mehrere Sprachen übersetzt wurde, geht es nicht nur um die authentische historische Episode, die ihn zum Schreiben inspirierte, sondern darum, wie sich Schuld in den Generationen danach ablagert. Traute Hoess spielt ...
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Theater heute August/September 2024
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Dorothea Marcus
Zum Schluss gab’s noch eine große Oper. Die Ausweitung der Sprechtheaterzone war für Nicolas Stemann und Benjamin von Blomberg in den vergangenen fünf Jahren Programm am Schauspielhaus Zürich – siehe auch das Gespräch im letztem Heft. Die Regisseurin und bildende Künstlerin Wu Tsang war dabei eine der federführenden Hauskünstler:innen. Ihre «Carmen» nun nach...
Die Aussichten sind nicht die besten. Man kann sogar sagen: rundherum ziemlich katastrophal. Die Zukunft als Verheißung hat ausgedient, und die ausgerufene Zeitenwende ist vor allem, wie der Soziologe Hartmut Rosa konstatiert, «ein Abwehrkampf auf einer abschüssigen Bahn nach unten» – Zeit also, die Zukunft auf der Bühne noch einmal zu fokussieren und wenn nicht...
TH Die Themis-Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt in der Kultur-, Medienund Musikbranche e.V., wie es mit vollem Namen heißt, gibt es seit dem Oktober 2018, und sie ist eine schöne – beziehungsweise eher unschöne – Erfolgsgeschichte. Die Zahl der auf Wunsch anonymen Beratungsgespräche in entweder psychologischer und/oder juristischer Hinsicht hat...
