Frauengefängnis
Aus der Erinnerung gibt es kein Entkommen, sie vergiftet die Gegenwart in vielen Schichten. Spektakulär und alptraumhaft verschieben sich die Wände, die Andreas Kriegenburg in Düsseldorf als Bühne gebaut hat. Immer neu beleuchtete klaustrophobische Räume wachsen hier wie Lebewesen: Von der einen Seite sind es holzarti -ge Lattenzäune, von der anderen Seite sterile, nackte Krankenhaustüren.
Sie kommen von oben oder von unten, verschieben, verengen, begrenzen, bedrängen, bilden immer neue Gefängnisse, reale und innere in den Köpfen der drei Frauen, die im Zentrum des Geschehens stehen, die Alte, die Mittlere und die Junge. «Die Alte» liegt im Krankenhaus, nachdem sie gestürzt ist, im April 1945 denunzierte sie einen Soldaten, der desertieren wollte und dafür standrechtlich erschossen wurde. Nach Kriegsende wurde sie verurteilt und kam zwölf Jahre lang in Haft.
Doch Ewald Palmetshofer, der 2015 mit dem Stück «die unverheiratete» den Mülheimer Dramatikerpreis gewann und in mehrere Sprachen übersetzt wurde, geht es nicht nur um die authentische historische Episode, die ihn zum Schreiben inspirierte, sondern darum, wie sich Schuld in den Generationen danach ablagert. Traute Hoess spielt ...
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Theater heute August/September 2024
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Dorothea Marcus
Alles an Thomas Manns «Zauberberg» scheint sich gegen die Bühne zu sträuben, ist doch das Ziel des viele hundert Seiten langen Romans die Übersetzung eines aus den Fugen geratenen Zeitgefühls in Prosa. Trotzdem oder gerade deshalb schafft es dieser Romanklassiker immer wieder auf deutschsprachige Bühnen – kompakt nacherzählt wie im vergangenen Jahr bei Bastian...
Dies ist meine erste Fahrt auf einem richtigen Motorrad. Ich sitze hinter Thomas, einem selbständigen Heizungsinstallateur aus Bitterfeld, auf seiner Honda, und mir wird etwas mulmig, als er auf der Landstraße zwischen Wolfen und Raguhn kurz auf 90 km/h beschleunigt und mir der Fahrtwind den nicht sehr gut sitzenden Leih-Helm nach hinten schiebt. Mit der einen Hand...
Imposante Gestalten bewegen sich wie schwerelos durch den Zuschauerraum. Gianna-Sophia Weise hat identisch prächtige Kleider aus rotweißem Brokatstoff entworfen: bodenlange taillierte Röcke, die schwingend an Derwischgewänder erinnern, dazu passende Oberteile mit weiten Kapuzen, die ihre Träger:innen optisch fast um einen Kopf vergrößern. Drunter, das kriegen wir...
