Im Angesicht des Nichts
Die selbstverständlich selbstreflexive Dekonstruktionsfreudigkeit der performativen Künste, in deren Anfänge Handkes «Publikumsbeschimpfung» einmal gehört haben mag, schlägt noch immer die allerkühnsten Kapriolen. René Pollesch zum Beispiel, das ist Metacomedy
für Intellektuelle, die schon alles wissen! Peter Handkes Klassiker von ’68 dagegen ist inzwischen tief in seinen frühstudentischen Sorgen und Manierismen eingemauert. Laurent
Chétouane unternimmt dennoch einen Befreiungsversuch.
Drei Frauen und ein Mann bewegen sich da in wechselnden Kostümierungen (der Mann bald in Frauenkleidern) in einem Bühnenbild, das aus ein paar Gerüststangen, einem Tisch, Stühlen und einem Podest mit Hamlet-Totenschädel besteht, und reden dazu sorgfältig Handkes fossile Sätze aus einer Theorie der theatralen Auflösung und Umkehrung. Sie reden auch darüber, dass das Publikum nun selbst zum ornamentalen Massenschauspiel wird (Handke hat damals seinen Kracauer gewiss gründlich gelesen) und somit auch zur sich einlullen lassenden und ergo mitlaufenden Masse. Sie machen uns ebenfalls klar, dass wir uns hier fernab von jeder Fiktion befinden, von jeder erzählerischen, zeitlichen und räumlichen, dass also ...
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Theater heute Februar 2011
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Simone Meier
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