Rätsel der Leidenschaft
Die Ehe war zu Racines Zeiten keine Angelegenheit romantischer Selbstverwirklichung, sondern eine Staatsaktion, zumindest in den höheren Ständen. Entsprechend problematisch war die Liebe, die als bestenfalls nachgeordneter Effekt den pragmatischeren Zwecken des Zwischenmenschlichen besser nicht in die Quere zu kommen hatte. Der Mensch des Ancien Régime fühlte sich ganz selbstverständlich als öffentlicher Verstellungskünstler, Authentizität des Gefühls nach außen ein schwerer Fauxpas. So anders waren einmal die Zeiten.
Solche Unterschiede über die Jahrhunderte ignoriert Torsten Fischer (Regie und Bühne) großzügig. Schräg zum Portal ist eine hohe weiße Wand gekantet, vor der sich mit größter Selbstverständlichkeit heutige Zeitgenossen in besseren Anzügen oder eleganter Hausgarderobe unterhalten. Ihr international Chic wird nur von einem unschönen Seelenproblem gestört. Phädra, die Herrin des eleganten Hauses, hat sich in ihren Stiefsohn verliebt und ist von ihrer Leidenschaft ziemlich mitgenommen. Corinna Kirchhoff, jeder Zoll eine souveräne Bühnenkönigin, leidet erkennbar an schwerer Liebeserkältung und trägt das verwundetste Gesicht der Saison. Ihr malerisch verheultes Antlitz – ...
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Theater heute März 2013
Rubrik: Chronik: Berlin, Seite 46
von Franz Wille
Es beginnt mit einem Hochgeschwindigkeitsmonolog aus bunt, aber nicht absichtslos zusammengewürfelten Gedankensplittern, aufgelesen wohl bei einem Bummel durchs Münchner Museumsviertel, Namedropping à la Katalog oder was einem kunstinteressierten Auftragsautor beim Spazierengehen durch die fremde Gaststadt eben so ins Auge fällt. Da ist Cy Twomblys grandioser...
Es ist mir ein Bedürfnis geworden, Bomben zu werfen. Das prickelt einem ordentlich, das ist ein feines Gefühl. Das ist ebenso schön, wie einen abzuschießen», schwärmt im Juli 1940 ein Deutscher namens Pohl, Oberleutnant der Luftwaffe, zur damaligen Zeit Kriegsgefangener. Dokumentiert haben Sätze wie diese Briten und Amerikaner, die während des Zweiten Weltkriegs...
Zuletzt hatte er viele Jahre lang einen Parkplatz über dem Kopf. Dabei war sein letzter Satz laut Shakespeare «Ein Königreich für ein Pferd». Selbst für Freunde des englischen Humors geht das ein bisschen weit.
Richard III. ist nicht nur der berühmteste Königsschurke des elisabethanischen Theaters, er hatte auch ein reales Vorleben. In Sachen Kriegshandwerk hielt...
