Tod und Meisterschaft
Es ist mir ein Bedürfnis geworden, Bomben zu werfen. Das prickelt einem ordentlich, das ist ein feines Gefühl. Das ist ebenso schön, wie einen abzuschießen», schwärmt im Juli 1940 ein Deutscher namens Pohl, Oberleutnant der Luftwaffe, zur damaligen Zeit Kriegsgefangener. Dokumentiert haben Sätze wie diese Briten und Amerikaner, die während des Zweiten Weltkriegs Tausende deutscher Soldaten belauschten und ihre Gespräche in Abhörprotokollen notierten. Der Historiker Söhnke Neitzel und der Sozialpsychologe Harald Weltzer waren die Ersten, die das insgesamt 150.
000 Seiten umfassende Material in den Nuller Jahren systematisch ausgewertet und ihre Ergebnisse im 2011 erschienenen Band «Soldaten» veröffentlicht haben.
Die Kriegsgefangenen tauschten sich aus übers Jagen, Töten, Vergewaltigen, über angeordnete Massenhinrichtungen, aber auch über sadistische Handlungen, die sie eher zufällig und beiläufig verübten. Ihre Erzählungen bestätigten, was spätestens seit der Wehrmachtsausstellung 1994/5 bekannt ist: Ganz normale Wehrmachtssoldaten waren an der massenhaften Vergewaltigung und Ermordung der Zivilbevölkerung und der Juden beteiligt. Neu an der Analyse von Neitzel und Welzer ist, dass ...
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Theater heute März 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Eva Behrendt
Am Schauspiel Köln hat es die schöne Helena in die Untiefen der TV-Unterhaltung verschlagen. Es läuft beinharter Nachmittagstalk, Thema: «Ich Opfer». Der Zankapfel des Trojanischen Krieges – Helena war Paris ja mehr oder weniger freiwillig, aber definitiv ehebrechend nach Troja gefolgt, was ihren Gatten Menelaos zum Feldzug veranlasste – treibt die ortsansässigen...
Alceste hat eine Portion üble Laune gefrühstückt. Jetzt kotzt er sich aus. Gründlich, wenn auch ohne Grund. Einen Anlass braucht Alceste nicht, prinzipielle Abscheu gegen Freund und Feind genügt völlig, nicht umsonst ist er als Molières «Menschenfeind» bekannt.
Michael Maertens hat für seinen Zürcher Alceste die Misanthropie in der Tat in sich hineingefressen....
Breitbeinig harrt sie in ihrem Kerker aus. Johanna, das Trotzkind, verbannt in die Strafecke der Geschichte. Ihr Blick durchbohrt die Leere, sie ritzt einen Strich in den Unterarm, eine blutrote Zählung, Tag um Tag. Ihr Schopf: asymmetrisch geschoren. Selbst wenn das ihre Häscher waren, die Frisur passt zu ihr, der jugendlich Unangepassten, der Unbeugsamen, für die...
