Tod und Meisterschaft
Es ist mir ein Bedürfnis geworden, Bomben zu werfen. Das prickelt einem ordentlich, das ist ein feines Gefühl. Das ist ebenso schön, wie einen abzuschießen», schwärmt im Juli 1940 ein Deutscher namens Pohl, Oberleutnant der Luftwaffe, zur damaligen Zeit Kriegsgefangener. Dokumentiert haben Sätze wie diese Briten und Amerikaner, die während des Zweiten Weltkriegs Tausende deutscher Soldaten belauschten und ihre Gespräche in Abhörprotokollen notierten. Der Historiker Söhnke Neitzel und der Sozialpsychologe Harald Weltzer waren die Ersten, die das insgesamt 150.
000 Seiten umfassende Material in den Nuller Jahren systematisch ausgewertet und ihre Ergebnisse im 2011 erschienenen Band «Soldaten» veröffentlicht haben.
Die Kriegsgefangenen tauschten sich aus übers Jagen, Töten, Vergewaltigen, über angeordnete Massenhinrichtungen, aber auch über sadistische Handlungen, die sie eher zufällig und beiläufig verübten. Ihre Erzählungen bestätigten, was spätestens seit der Wehrmachtsausstellung 1994/5 bekannt ist: Ganz normale Wehrmachtssoldaten waren an der massenhaften Vergewaltigung und Ermordung der Zivilbevölkerung und der Juden beteiligt. Neu an der Analyse von Neitzel und Welzer ist, dass ...
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Theater heute März 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Eva Behrendt
Wolfram Lotz will das Unmögliche: Er will nicht sterben, er will aufgehoben sein in der Welt, er will die Welt mit der Sprache erfassen. Weil er das alles will, will er auch ein unmögliches Theater. Lotz' Strategie der formalen Überforderung des Theaters ist die Konsequenz seiner inhaltlichen Überforderung, nicht umgekehrt. Die formale Überforderung kommt daher als...
Zuletzt hatte er viele Jahre lang einen Parkplatz über dem Kopf. Dabei war sein letzter Satz laut Shakespeare «Ein Königreich für ein Pferd». Selbst für Freunde des englischen Humors geht das ein bisschen weit.
Richard III. ist nicht nur der berühmteste Königsschurke des elisabethanischen Theaters, er hatte auch ein reales Vorleben. In Sachen Kriegshandwerk hielt...
Es beginnt mit einem Ende. Die letzten Töne einer festlichen Musik sind zu hören. Ein Tusch. Dann Applaus. Zwei Hände, Füße, dann der dazugehörige Mann schieben sich durch den Vorhang am hinteren Bühnenende. Nach und nach folgen ihm seine Mitspieler, dann stehen sie alle vor uns: drei Frauen, drei Männer. Gekleidet in Alltagsklamotten. Ein gefrorenes Lächeln auf...
