Rache der Dominierten

nach Ruth-Maria Thomas «Die schönste Version» (U) am Staatstheater Cottbus

Theater heute - Logo

Ein berückend-bedrückendes Generationenporträt der Millennials nannte die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» den Roman der gebürtigen Cottbusserin Ruth-Maria Thomas. Nun durfte Regisseurin Sarah Kohm den Text, der im letzten Jahr auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stand, zum ersten Mal am Geburtsort der Autorin auf die Bühne bringen. Es handelt sich um die Geschichte der Beziehung von Jella und Yannick, die in Gewalt endet. Aber auch um die Entwicklung des vor allem sexuellen Selbstverständnisses einer jungen Frau unter jungen Männern.

Wie schon bei ihrer Inszenierung «Enjoy Schatz» greifen Kohm und ihre Kostüm- und Bühnenbildnerin Lena Maria Emrich für den Ort dieser Handlung auf eine Art augenzwinkernde Barbieästhetik zurück, die das Stück vermutlich auch für eine junge Zielgruppe anschlussfähig machen soll. So erinnert das große Stahlgerüst auf der Bühne mit seinen zwei Seitenflügeln an jene Puppenhäuser, die jungen Mädchen weltweit mit ihrer schimmernden Traumwelt fragwürdige Ideale vorsetzt. Jella und ihre Freundin Shelly treten in dieser Welt bauchfrei mit Low-Waist-Jeans und Glitzerschrift auf.

Hier in ihrem Elternhaus verbringt Jella ihre erste Nacht mit Yannick, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2026
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Anna Hoffmeister

Weitere Beiträge
Fortschrittlicher Stillstand

Wie weiter mit Elisabeth? Der mittellosen jungen Frau, die auf der Suche nach Beschäftigung und einem Wandergewerbeschein unter die Räder einer paragrafentreuen Bürokratie und deren männliche Vollstrecker gerät, bis sie sich das Leben nimmt. Wie macht man Ödön von Horváths «Glaube Liebe Hoffnung», den «Totentanz in fünf Bildern» von 1936, im Land einer der höchsten...

Solidarität und Schrecken

Eines der Elemente, mit denen Sonja Anders, seit Saisonbeginn Intendantin am Hamburger Thalia Theater, gesellschaftliche Relevanz herstellen möchte, ist die subversive Kraft der Sexualität: die Idee, dass in Körper und Sex eine potenziell zerstörerische Gewalt steckt, die im Zweifel Ideologien zu überstrahlen in der Lage ist. Ausbaufähig zeigte sich dieser Ansatz...

Die alte und die neue Zeit

Als «Zauberformel» bezeichnen die Schweizer:innen das eingespielte Proporzverhältnis im Bundesrat, der Regierung, mit abgezählten Sitzen für die wichtigsten Parteien. Sie garantiert die typische helvetische Verlangsamung der Prozesse und eine gewisse Stabilität der Verhältnisse. Dass es um Letztere gleichwohl nicht zum Besten steht, weiß allerdings jedes Kind....