Provinzschwestern

Drei Schwestern in der Provinz, wer würde da nicht an Tschechow denken? Aber dieser Assoziation wirkt Franziska Meletzky in ihrem zweitem Spielfilm gleich mit der ersten Szene entgegen: In der hängt eine Mutter am Morgen kotzend über der Kloschüssel, assistiert von einer erwachsenen Tochter, die ihr mehr Tadel als Trost zuspricht. Ohne dass viel erklärt würde, bekommt der Zuschauer mit, dass hier zwei überaus eigensinnige und selbstständige Frauen auf ungute Weise aufeinander angewiesen sind.

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Christine Schorn spielt die Mutter, und sie stattet ihre Figur selbst in dieser unwürdigen Situation noch mit der Portion Hochmut aus, die die Helfende an ihrer Seite klein hält. Corinna Harfouch als Tochter Iris zeigt das Zwie­spältige der intimen Hilfsgeste, die sie dazu zwingt, Grenzen zu überschreiten, die sie lieber gewahrt wissen wollte. Zusammen sind sie ein Sinnbild jener entfremdeten Vertrautheit, die Familienbande oft ausmachen: Sie können nicht miteinander und sind doch auf einander angewiesen.



Wenig später sind alle Spuren dieses unglücklichen Moments getilgt, geduscht und angezogen erwartet man die Ankunft einer weiteren Tochter. Anne (Dagmar Manzel) kommt aus der großen weiten Welt angereist und macht es mit ihrem lärmendem Temperament den beiden Frauen leicht, über das Vorgefallene zu schweigen. Sowieso muss nun erstmal die Geburtstagsfeier für die Mutter organisiert werden, die am nächsten Tag im großen Rahmen stattfinden soll. Hinzu stößt auch bald die jüngste der Schwestern, Marianne (Kirsten Block), die ein paar Häuser weiter mit ihrem arbeitslosen Mann wohnt.

In flotter Szenenfolge skizziert der Film das jeweils ganz eigene Unglück seiner Figuren: Die Mutter ...

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Theater heute März 2008
Rubrik: Magazin, Seite 58
von Barbara Schweizerhof

Vergriffen
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