Am runden Kanzlertisch
Günther Beckstein wäre begeistert: Die Muslima im trendigen Wollkleid, die auf den Namen Antigone hört und in dritter Generation in Deutsch- (oder auch einem anderen europäischen) Land lebt, hätte nicht nur jeden Einbürgerungstest mit links bestanden. Sie ist der westlichen Demokratie und den nämlichen «Werten» überhaupt viel näher als jeder durchschnittliche Oberbayer: Als Schwiegertochter des Staatschefs Kreon sitzt sie allabendlich am runden Kanzlertisch und löffelt ihre ökologisch korrekte Suppe aus präsidialen Schüsseln.
Umso sensationeller die Breaking News eines per Video zugeschalteten Fernsehreporters, der in Hans-Christian Seegers Darstellung am Staatsschauspiel Dresden sein Handwerk nur bei RTL II gelernt haben kann: Antigones Bruder Polyneikes habe einer terroristischen Vereinigung angehört und einen Selbstmordanschlag – unter anderem auf die (relativ unversehrt gebliebene) Kreon-Villa – verübt. Dort leistet bereits ein stromlinienförmiger PR-Berater (Sebastian Kuschmann) erste rhetorische Hilfe und diktiert dem Staatschef seine «Rede an die Nation». Das Hauptproblem: Die Leichen der Attentäter. Kreons Idee: «Wir werden sie nicht begraben. Wir machen einen symbolischen ...
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