Lose-Mundwerk-Sammlung
Wind macht diese Inszenierung nur einmal, gleich zu Anfang, wenn die vierte Wand aufklappt, zu Boden kracht, den Blick in eine knallgelbe Box öffnet und eine Luftdruckwelle über die Köpfe des Publikums fegt. Was folgt, ist ein Sturm, ach was, ein Tornado aus Worten.
Wirbelt eine Stunde, dreht sich um drei Frauen, Barbara, Silvia, Anika, drei Damen vom Jugendamt, zerfetzt Sätze, schleift Schicksale mit sich, lässt das Papier tanzen, auf dem dieses Stück steht, diese Sprachpartitur, verfasst von der schwäbischen Autorin Felicia Zeller, ein Auftrag des Theaters Freiburg, eine Lose-Mundwerk-Sammlung, brutal und doch fragil.
Barbara, Silvia, Anika. Das sind die Figuren, die auftreten. Dazu die Kinder, eine Dunkelziffer, sie heißen Melanie oder Elias, die meisten sind namenlos, verkümmern als Aktennotiz im Stapel «Unerledigt». Björn, der abwesende Kollege mit Burn-out-Syndrom, hinterlässt allein 104 verschluderte Fälle. Die Sozialarbeiterinnen sind alarmiert, gewiss. Doch sie kommunizieren nicht, sie hyperventilieren ihre Textbausteine, fallen sich und den Kolleginnen ins Wort, kurz (Regieanweisung): «Die Damen rotieren von Anfang an.»
Am Anfang von «Kaspar Häuser Meer» stand der Fall ...
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