Lose-Mundwerk-Sammlung

Felicia Zeller «Kaspar Häuser Meer»

Theater heute - Logo

Wind macht diese Inszenierung nur einmal, gleich zu Anfang, wenn die vierte Wand aufklappt, zu Boden kracht, den Blick in eine knallgelbe Box öffnet und eine Luftdruckwelle über die Köpfe des Publikums fegt. Was folgt, ist ein Sturm, ach was, ein Tornado aus Worten.

Wirbelt eine Stunde, dreht sich um drei Frauen, Barbara, Silvia, Anika, drei Damen vom Jugendamt, zerfetzt Sätze, schleift Schicksale mit sich, lässt das Papier tanzen, auf dem dieses Stück steht, diese Sprachpartitur, verfasst von der schwäbischen Autorin Felicia Zeller, ein Auftrag des Theaters Freiburg, eine Lose-Mundwerk-Sammlung, brutal und doch fragil.

Barbara, Silvia, Anika. Das sind die Figuren, die auftreten. Dazu die Kinder, eine Dunkel­ziffer, sie heißen Melanie oder Elias, die meisten sind namenlos, verkümmern als Aktennotiz im Stapel «Unerledigt». Björn, der abwesende Kollege mit Burn-out-Syndrom, hinterlässt allein 104 verschluderte Fälle. Die Sozialarbeiter­innen sind alarmiert, gewiss. Doch sie kommunizieren nicht, sie hyperventilieren ihre Textbausteine, fallen sich und den Kolleginnen ins Wort, kurz (Regieanweisung): «Die Damen rotieren von Anfang an.»

Am Anfang von «Kaspar Häuser Meer» stand der Fall ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2008
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Stephan Reuter

Vergriffen
Weitere Beiträge
Der Gebrauch des Menschen

Für die einen ist Krieg ein Job, mit dem sich ein Bruchteil des Geldes, das man nie erben wird, verdienen lässt. Für die anderen ist er ein Skandal, eine ethische Katastrophe, ein Verbrechen an der Menschlichkeit, in der Praxis ausgeübt von Leuten, die mehr oder weniger von Natur aus Dumpfbacken oder Sadisten sind. Oder, wie es der Waffenverschärfer Paul aus Simon...

Zuschauer: Schrecklich schön

Michael Merschmeier Was schaut man gern an?

Thea Dorn Das Erhabene und das Schöne. Das Schöne leuchtet unmittelbar ein: Wer schaut nicht gern einem schönen Mann oder einer schönen Frau nach? Das ist banal. Darauf sind wir Menschen gepolt. Das Erhabene ist – nach Kant – allerdings auch die Katastrophe, das Furchtbare, die Gefahr, das Grauen. Da scheiden sich schon...

«Das Theatertreffen gehört niemand allein»

Franz Wille Zahlen zuerst. Die Qualität einer Theatertreffen-Jury wird ja von manchen Leuten daran gemessen, wie viele Inszenierungen sie gesehen hat. Wie viele Abende haben Sie denn im letzten Jahr im Theater verbracht? 

Jürgen Berger Ich bin auf nahezu 120 Abende gekommen. Da es bei mir nicht genau zwölf Monate waren, sondern nur zehn, hat es Wochen gegeben, in...