Präpariert Euch!
Ihr Anblick ist faszinierend – und gleichzeitig zutiefst befremdlich: Neben den diversen Fischarten, die oben rechts in die Bühnentiefe zu tauchen scheinen, verharren Schnecken- und Muschelarten dekorativ in der Mitte. Direkt neben den Robben haben sich die Schmetterlingsarten ordentlich aufgereiht, und aus der unteren Reihe des dreidimensionalen Bühnen-Setzkastens wirft ein Känguru seinen toten Blick in den Zuschauerraum des Maxim Gorki Theaters.
Mit rund 3000 präparierten Tierarten zählt die Biodiversitätswand zu den Highlights des Museums für Naturkunde in Berlin.
Die Entdeckung der Artenvielfalt ist ein in westlichen Kulturen weit verbreiteter und verstetigter Prozess, der sich zugleich die Kategorisierung und Musealisierung allen Lebens zum Ziel gesetzt hat. Von geschätzt 4 bis 40 Millionen Tier- und Pflanzenarten sind bislang nur etwa 1,8 Millionen wissenschaftlich beschrieben, registriert und benannt. Dabei ist die Konservierung der Belegexemplare freilich nur um den Preis ihres Lebens zu haben – weshalb die polnische Regisseurin Marta Górnicka besagte Biodiversitätswand zum digitalen Bühnensinnbild einer Gesellschaft macht, deren Fortschrittsglaube und Erkenntnisdrang ...
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Theater heute Dezember 2021
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Anja Quickert
Dieser Typ – breite Schultern, ordentlich Bauchansatz und mehr Tattoos als Haut auf den nackten Armen – macht einfach weiter: Stoisch baut er aus ein paar Holzplatten ein Podest, schraubt Wände daran, befestigt Scharniere. Zufrieden steckt er kurz die Hände in die Hosentaschen, geht etwas zur Seite, raucht eine Selbstgedrehte. Dann baut er wieder. Ruhig und...
Lakonisch plakatieren die Bühnenarbeiter zu Beginn der Inszenierung einzelne Papierbahnen zum Prospekt. Die Fotografie fixiert einen nackten Mann im Moment des Sprungs, allein auf einer sonnigen Dachterrasse. Seine Arme umfassen die angewinkelten Beine, das lange pechschwarze Haar verhüllt sein Gesicht und steht steil in der Luft, aller Schwerkraft zum Trotz. Die...
Vielleicht ist Friedrich Schillers «Die Räuber» das vielschichtigste deutschsprachige Drama des 18. Jahrhunderts. Im Kontext einer tragischen Familiengeschichte wird hier von Karl Moor erzählt, den Idealismus und Ablehnung gesellschaftlicher Zwänge (sowie die Intrigen seines Bruders Franz) in die Arme einer Räuberbande treiben, wo er schnell zum Hauptmann...
