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Berlin Hebbel am Ufer (HAU 1): Monteverdi «L’Orfeo»

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Zunächst mal: Warm machen! Aus dem Orchestergraben tönen in unregelmäßigen Abständen die ersten Takte von Monteverdis «L’Orfeo» von 1607. Auf der Bühne häufelt ein glitter–geschmink­tes Girl im hautfarbenen Minikleid einen Kreis aus weißen Steinen auf, balanciert dabei auf schwindelerregenden Pumps, zumal, wenn sie sich ganz tief hinabbeugt und den Popo in Richtung Publikum bohrt.

Außerhalb des bukolischen Kreises flanieren und schäfer–stündeln Hirten und Nymphen; die meisten sind in eine Art transparentes Ganzkörperkondom gezwängt, was die Figuren praller, um nicht zu sagen: wursthaft erscheinen lässt. Ein hübscher Schnauzbartträger liegt auf dem Bauch und lässt geschmeidig die Lenden rotieren. Trockenübungen für später?

Die Orgie, die das Pornofilmset zum Auftakt der Barockoper im HAU 1 noch verspricht, kommt dann aber leider nicht zustande. Stattdessen performen die trefflichen Sängerinnen und Sänger rund um die extremfeministische Postpunk­ikone Peaches – von der noch die Rede sein wird – eine mit wenigen Ausnahmen doch recht konventionelle Opernaufführung. Und die erzählt den Mythos von Orpheus, der seiner toten Geliebten Eurydike in die Unterwelt folgt und aus Mangel an ...

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Theater heute Juni 2012
Rubrik: Chronik: Berlin Hebbel am Ufer, Seite 54
von Eva Behrendt

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