Politik auf dem Theater

In der Hauptstadt geben Schaubühne und Volksbühne ihr Bestes: Luk Perceval sucht «Maria Stuart», Thomas Ostermeier holt O’Neills «Trauer muss Elektra tragen» über den Teich, und Frank Castorf stürzt sich ins «Dickicht der Städte»

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Drei Holzscheiben links, drei Sportbogenschützen rechts, dazwischen die ganze Bühnenweite. Schon sausen drei sehr professionell abgeschossene Pfeile im Gleichflug in die Holzscheiben und schlagen mit satt verstärktem Plopp ein. Dann das Ganze noch mal. Und noch mal. Zwischen den Waffengängen lassen die Herren Schützen ihre Geräte um den Daumen schlenkern: Nicht wirklich lässig, auch nicht eigentlich gefährlich, aber sichtlich um Eindruck bemüht.

Man ist zu Fotheringhay, royale Gartenparty, und die dekorative Sporteinlage liefert den szenischen Höhepunkt von Luk Percevals «Maria Stuart». Gleich treffen Elisabeth und ihre gefangene Rivalin aufeinander. Dann fliegen nur noch Worte. 

 

Elisabethanische Verhältnisse

In diesem Trauerspiel muss die eine leiden und die andere handeln, was der einen in der Regie-Regel viel Mitgefühl einträgt und der anderen alle Macht. Die eine endet auf dem Schafott, die andere sehr allein auf ihrem Thron. Kein Drama für irdische Lösungen, die Freiheit wohnt – wenn überhaupt – dann nur im Tod. Staatswohl und privates Glück zusammen ist für Politikerinnen nicht zu haben. Warum eigentlich nicht?

Auf den politischen Triumph von Maria Stuart sollte besser ...

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Theater heute April 2006
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Franz Wille

Vergriffen
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