Poesie der kurzen Sätze
«Leichte Sprache» soll in geschriebenen Texten zu besserer Verständlichkeit führen, Inklusion, Teilhabe, Barrierefreiheit fördern. Sie hat unterschiedlichste Kommunikationsbereiche erreicht – von der Behörde über Donald-Duck-Comics bis hin zu Nachrichtenseiten. Auch manche Theater etwa in Programmheften oder auf ihrer Website, wenn dort der Inhalt einer Inszenierung in kurzen, prägnanten Sätzen erklärt wird. So macht es auch das Mannheimer Nationaltheater – und geht aber jetzt noch einen Schritt weiter. Dort gibt es derzeit Goethes «Faust» in Leichter Sprache zu sehen.
Weltliteratur übersetzt in einfache Sätze, die jeder verstehen soll. Der Regisseur Daniel Cremer hat den «Faust» gemeinsam mit Mascha Luttmann und Tina dahingehend bearbeitet, kondensiert, interpretiert. Aber nicht nur der erste Teil des «Faust», auch der zweite passt noch hinein in die zweieinviertel Stunden der kurzweiligen Aufführung (inklusive Pause). Wobei «Faust II», der auch gewieften Germanist:innen die Grenzen ihrer Verständnisfähigkeit aufzeigt, in einer rasanten Viertelstunde zusammengefasst und ein bisschen gespielt wird. Letzteres betrifft vor allem den fünften Akt, in dem sich Faust als waschechter ...
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Theater heute August-September 2025
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Verena Großkreutz
«Wahrheit!», knallt es zu Techno-Beats in den Zuschauerraum zwischen all den Interviewfetzen, die hier in einer Art Live-Videoclip auf dem schneckenförmigen Bühnenpodest in die Kamera gehämmert werden. Die großformatigen Köpfe auf dem Gazevorhang ballern erstmal alle wach. Die kurzen prägnanten Sätze sind herausgepickt aus 50 Interviews, die ein Team um Regisseurin...
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