Palliative Dramaturgien
Obwohl Adventszeit, herrscht in der letzten Dramaturgiesitzung des Jahres Trübsal. Die Trump-Wahl, die mageren Ergebnisse der Weltklimakonferenz, Einsparungen in Kunst, Kultur, Klimaschutz, Verkehr: All das schlägt aufs Dramaturg:innengemüt.
Die Tragöd:innen unter uns sehen ihre schlimmsten Prophezeiungen bestätigt. Andererseits: Es gibt jetzt kaum noch was, wovor sie warnen könnten – alles ist worst case. Die Apostel der FROHEN BOTSCHAFT reagieren gnatzig: Da können wir ja gleich alles sein lassen! So geht es eine Weile hin und her.
Die Trostpflästerchen verletzter Dramaturg: -innenseelen werden wechselweise auf blutige Wunden geklebt und wieder heruntergerissen. So lange wussten wir doch, worum es ging, was gespielt werden musste, was gesellschaftlich nötig war! Und jetzt?
Uns kommt der spätmittelalterliche Performancekünstler Franz von Assisi in den Sinn (siehe TH 10/24). Als es mit ihm zu Ende ging, schrieb der Bischof von Assisi den Bür -ger:innen der Stadt eine allgemeine Trauer vor. Franz selbst bestellte seinen Mitbruder Pacifico, einen ehemaligen Schlagerstar, an sein Sterbebett und bat ihn zu singen. Zwei Wochen lang erklangen aus dem Krankenzimmer Tag und Nacht ...
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Theater heute Januar 2025
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Lynn T Musiol und Christian Tschirner
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