Palliative Dramaturgien
Obwohl Adventszeit, herrscht in der letzten Dramaturgiesitzung des Jahres Trübsal. Die Trump-Wahl, die mageren Ergebnisse der Weltklimakonferenz, Einsparungen in Kunst, Kultur, Klimaschutz, Verkehr: All das schlägt aufs Dramaturg:innengemüt.
Die Tragöd:innen unter uns sehen ihre schlimmsten Prophezeiungen bestätigt. Andererseits: Es gibt jetzt kaum noch was, wovor sie warnen könnten – alles ist worst case. Die Apostel der FROHEN BOTSCHAFT reagieren gnatzig: Da können wir ja gleich alles sein lassen! So geht es eine Weile hin und her.
Die Trostpflästerchen verletzter Dramaturg: -innenseelen werden wechselweise auf blutige Wunden geklebt und wieder heruntergerissen. So lange wussten wir doch, worum es ging, was gespielt werden musste, was gesellschaftlich nötig war! Und jetzt?
Uns kommt der spätmittelalterliche Performancekünstler Franz von Assisi in den Sinn (siehe TH 10/24). Als es mit ihm zu Ende ging, schrieb der Bischof von Assisi den Bür -ger:innen der Stadt eine allgemeine Trauer vor. Franz selbst bestellte seinen Mitbruder Pacifico, einen ehemaligen Schlagerstar, an sein Sterbebett und bat ihn zu singen. Zwei Wochen lang erklangen aus dem Krankenzimmer Tag und Nacht ...
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Theater heute Januar 2025
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Lynn T Musiol und Christian Tschirner
Der Start ist ein Fest. Das Somogo Collective lädt zur Eröffnung der aktuellen euro-scene für die «Ubuntu Connection» ins Schauspielhaus und lässt, nachdem das Publikum sich erstmal gegenseitig die Schultern massiert hat, acht Tänzerinnen und Tänzer der verschiedenen Genres in Battles aufeinandertreffen. Ballett trifft auf Akrobatik trifft auf Hip-Hop trifft auf...
Vor etlichen Jahren gab es am Burgtheater einmal eine Inszenierung von Eugene O’Neills «Eines langen Tages Reise in die Nacht». Andrea Breth hatte Regie geführt, Schauspielkoryphäen wie August Diehl und Sven-Eric Bechtolf wateten durch eine seichte Wattmeerlandschaft. Vier Stunden zog sich wortreich das Leid der Familie Tyrone, und der Autor dieser Zeilen...
Ein Hochhausdach, vier Personen, kein Handy, kein Schlüssel, und die Tür zum Treppenhaus fällt ins Schloss. Dumm gelaufen, nicht nur für Ava, 30, die vor zu viel Sozialstress aus ihrer Wohnung aufs Dach geflohen ist. Ebendort und not amused sind jetzt auch die drei Stressursachen: Robin, 32, hatte eben noch wunderbaren bekifften Sex mit Ava und ist mit einem Mann...
