Heim und Weh
Inmitten des politischen Überbietungswettbewerbs um Grenzschließungen und Abschiebungen wird hierüber kaum noch gesprochen: die großen Herausforderungen für Migrant:innen in der Ankunftsgesellschaft. Daher kommt die Uraufführung von Thomas Deprycks Text «Unter euch. Je promène ma mélancolie parmi vous» am Theater und Orchester Heidelberg zur richtigen Stunde. Im Zentrum steht die (genauso wie ihre Darstellerin Sophie Frérard) belgischstämmige Manon, die mit Mann (Thorsten Hierse) und Kindern nach Deutschland gezogen ist, aber dort nicht so richtig Tritt fassen kann.
«Dieses Deutsch wehrt sich immer noch gegen mich, leistet Widerstand», beklagt sie, oder stellt fest: «Du denkst, du kommst von hier, fühlst dich aber dort wohl.»
Aus der Verstimmung resultieren depressive Episoden, nicht einmal die Konsultation eines Arztes und verschriebene Schlafmittel helfen dabei, das Gefühl der Entwurzelung zu überwinden. Fremd kommt sich indessen auch Fernand (Christian Crahay) vor, der im Pflegeheim wohnende Vater der Protagonistin, allerdings weniger aufgrund eines Staatenwechsels als vielmehr wegen seiner zunehmenden Demenz.
Weder ist diese Geschichte neu, noch birgt sie bemerkenswerte ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2025
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Björn Hayer
Die Wut, wo kommt sie her? Der zentrale Satz in Necati Öziris Roman «Vatermal» und auch in Bassam Ghazis Inszenierung im Schauspiel Köln lautet: «Ihr wart beides, weg und trotzdem da. Und deshalb hätten wir euch doch gebraucht. Aber anders. Damit ihr uns vorlebt, wie man mit der Gewalt, die in einem schlummert, umgeht, wie man Wut in Taktik verwandelt.» Alle drei...
Generationen gegeneinander auszuspielen ist zu einem Lieblingssport der Deutschen geworden – mit Vorliebe die «Gen Z» gegen die «Boomer», und damit vermeintliche Leistungskritische gegen jene, die deutsche Institutionen und Realitäten bis heute prägen. Autorin und Schauspielerin Amina Eisner macht also am Stadttheater Gießen die Probe aufs Exempel. Wie kommen die...
Oft sind Wiederbelebungen ja bloß temporäre Hervorholungen zu gegebenen Anlässen, aus den hinteren Archivregalen, einmal mit dem Staubwedel drüber und in die Vitrine gestellt. Und nach dem Jubiläum geht’s zurück in die Vergessensecke. Damit der Jahrestag zur echten Renaissance führt, braucht es schon ein wenig mehr: nämlich das aufsteigende Gefühl, dass in dem...
