Out of the Homeland
Die Schauspielerin in der Mitte des Platzes vor dem ehemaligen Kino der US-Streitkräfte wurde wohl direkt von einem Schlachtfeld des American War of Independence eingeflogen. Dass sie unzufrieden ist und inmitten einer Traube von Zuschauer:innen mit ihrem Job hadert, könnte damit zusammenhängen, dass sie wie einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten gekleidet ist: Gehrock bis zu den Knien, Rüschenkrawatte, Kniebundhose und eine zerzauste Langhaar -perücke.
Tala Al-Deen aus dem Mannheimer Schauspielensemble fragt sich, ob sie das hier überhaupt spielen sollte, und wenn ja, wen sie da spielt.
Vertrauen ist notwendig beim Betreten des historisch kontaminierten Benjamin Franklin Village, immerhin war das Kasernendorf eine Filiale des Pentagon und die logistische Hauptschlagader eines von Heidelberg bis Rammstein reichenden Warfare Valley. Einige Jahre lag alles brach, inzwischen wird das Areal aber ganz zivil bebaut, und neuerdings ist im ehemaligen US-Kino auch die Ausweichspielstätte des Mannheimer Schauspiels stationiert.
Es gibt gute Gründe, diesem Terrain, von dem aus Krieg gegen Afghanistan, den Irak und Vietnam geführt wurde, immersiv auf den Zahn zu fühlen. Wobei: Das ...
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Theater heute Juli 2023
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Jürgen Berger
DRESDEN, ALBERTINUM/ STÄDTISCHE GALERIE bis 13.8.,
«Ich halte doch nicht die Luft an.» Cornelia Schleime – frühe Werke / Cornelia Schleime «ich lass mich nicht spannen – lass mich nicht flechten»
Parallel stattfindende Ausstellungen zeigen Schleimes zwischen 1982 und 1984 produzierte experimentelle Super-8-Filme und ihre fotografisch festgehaltenen...
Als machtlose Seherin, eine dunkle Mischung aus Melania Trump, Kassandra und Elfriede Jelinek, schritt sie 2017 barfuß und in wehenden Gewändern durch dekadente gol -dene Fransen in Philipp Preuss’ Inszenierung von «König Ubu/Am Königsweg». Ungehört fabulierend, mal fast unscheinbar durchsichtig, mal wütend bellend, mal tänzerisch-ätherisch. Als zerzauste Clownin...
Die Symptome hat er früh erkannt, genau beschrieben und dann doch in ihrer Bösartigkeit noch unterschätzt. «Drei Jahre Geschichte einer Provinz» skizziert Lion Feuchtwanger in seinem 800- Seiten-München-Roman «Erfolg» (erschienen 1930), in dem die leicht schrulligen und in ihrer Weltsicht ein wenig beschränkt gezeichneten Bewohner der bayerischen Hochebene zwischen...
