Ohne Frauen ist kein Staat zu machen
Die Seele ist verletzbar. Das habe ich erfahren», gesteht die Schauspielerin dem Publikum, das über die Raumbühne verteilt auf Stühlen sitzt. «Stellen Sie sich vor, Sie haben keine einzige Schublade, in die Sie Ihre Notizen legen können. Jeder Raum ist vom Geheimdienst vermessen, jedes Wort kann mitgeschnitten werden. Jede intime Handlung wird belauscht.»
Im schlicht ausgestatteten Veranstaltungssaal, den das dokumentarische Theaterstück site-spezifisch als Bühne nutzt, fanden früher auch Dienstkonferenzen und Empfänge für ausländische Delegationen statt.
Mit seinen hohen Fenstern, dem Treppenhaus mit riesigem Kaskadenleuchter setzt sich das «Haus 22» vom übrigen Plattenbaukomplex mit seinen unzähligen Büroeinheiten schon architektonisch deutlich ab: Bis zu 7000 hauptamtliche Mitarbeiter:innen waren in der Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in Berlin-Lichtenberg zu DDR-Zeiten beschäftigt. Dass die Gebäude heute einen «Campus für Demokratie» beheimaten und die systematische Überwachung und Unterdrückung der DDR-Bevölkerung dokumentieren können, ist dem Engagement der Bürger:innen zu verdanken, die am 15. Januar 1990 das abgeriegelte Gelände der Geheimpolizei ...
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Theater heute Februar 2023
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Anja Quickert
I. SONNE, LOS JETZT!
Was ist das, was da durch den Raum jagt, das bin doch nicht ich! Schauen wir mal nach, darunter kräuselt sich die Flut, Berge gibt es auch, ja, alles unter mir, ich bin es. Die Sonne tönt nach alter Weise in Brudersphären Wettgesang. Die Reise ist mir vorgeschrieben, obwohl ich an meiner Wanderung nicht schuld bin. Ich bin ein fixer Stern,...
Am Ende ist es wie bei einem Schiller-Stück: Ein Brief entscheidet über das Schicksal zweier Frauen. Hausverbot. Übertriebene Aktion eines überforderten Intendanten oder gerechtfertigte Maßnahme zur Wiederherstellung des Hausfriedens? Hier gehen die Meinungen am Schauspiel Leipzig, in dem Ende letzten Jahres dieses Trauerspiel aufgeführt wurde, ausein -ander. Doch...
Was macht die Liebe in der Theaterkritik? Den großen Unterschied, so hat es Nikolaus Merck in seinem letzten Text für nachtkritik.de beschrieben, in dem er sich auf einen Essay von Andreas Wilink bezog. Sie sei die Abgrenzung zur Beckmesserei, zudem «der Antrieb für die Einsamkeitsakrobatik des Schreibens». Am Ende also gar «das Geheimnis der Kritik».
Niko war ein...
