Traumatisierte Gesellschaften
Irgendetwas stimmt mit dieser Familie nicht. Aber dieses Etwas ist lange nicht greifbar, fast unheimlich. Natürlich gibt es konkrete Konflikte: Vater Dilo ist seit Langem arbeitslos, auch seine gesundheitlichen Probleme sind gravierend. Seine weitaus älter wirkende, von ihrer Fabrikarbeit als Näherin gezeichnete Ehefrau Sara muss den Lebensunterhalt und das Studium der gemeinsamen Tochter Lola allein finanzieren. Fast gespenstisch bewegen sich die fahl ausgeleuchteten Figuren im Erker des Ethnologischen Museums in Pristina vor den großen Fensterscheiben, hinter denen es Nacht ist.
«Sprich mit deinem Vater!», schreit Sara irgendwann ihre Tochter an, die jeden Blickkontakt mit Dilo meidet.
Der kosovarische Dramatiker Jeton Neziraj hat mit «Vater und Vater» ein scheinbar gewöhnliches Familiendrama geschrieben, in dessen Verlauf sich allerdings langsam erschließt, dass Dilo keine reale Person, sondern einer von 1600 Menschen ist, die seit dem Kosovo-Krieg 1998/99 vermisst werden. Gespenster der Vergangenheit, die noch immer das Leben ihrer Angehörigen bestimmen wie die Kriegs-Traumata und der verstetigte Konflikt mit Serbien das ganze Land. Im Publikum sitzen Menschen, die weinen. ...
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Theater heute Februar 2023
Rubrik: International, Seite 34
von Anja Quickert
I. SONNE, LOS JETZT!
Was ist das, was da durch den Raum jagt, das bin doch nicht ich! Schauen wir mal nach, darunter kräuselt sich die Flut, Berge gibt es auch, ja, alles unter mir, ich bin es. Die Sonne tönt nach alter Weise in Brudersphären Wettgesang. Die Reise ist mir vorgeschrieben, obwohl ich an meiner Wanderung nicht schuld bin. Ich bin ein fixer Stern,...
Die Sonne geht langsam unter, und wir fahren mit einem Pickup über eine staubige Dirtroad durch die malerischen Landschaften der südafrikanischen Provinz Mpumalanga, bekannt vor allem für die großen Nationalparks im Nord-Osten des Landes. Wir befinden uns jedoch abseits der touristischen Pfade in der Region Emakhazeni. Der Fahrer ist erschöpft. Kurz zuvor hat er...
Am Ende ist es wie bei einem Schiller-Stück: Ein Brief entscheidet über das Schicksal zweier Frauen. Hausverbot. Übertriebene Aktion eines überforderten Intendanten oder gerechtfertigte Maßnahme zur Wiederherstellung des Hausfriedens? Hier gehen die Meinungen am Schauspiel Leipzig, in dem Ende letzten Jahres dieses Trauerspiel aufgeführt wurde, ausein -ander. Doch...
