Der Affenavatar und Katja Bürkle in «Yesterday You Said Tomorrow» von Alexander Giesche an den Münchner Kammerspielen 2015. Foto: Gabriela Neeb
Oh baby, it’s a white world
Von 2015 bis 2017 arbeitete ich als Regie-Assistent*in an den Münchner Kammerspielen. In dieser Funktion begleitete ich Proben, führte Regiebücher, machte die Abendspielleitung und vieles mehr. Zu der Zeit war ich wahrscheinlich eine von drei Schwarzen Mitarbeiter*innen an einem Haus mit einer Belegschaft von ca. 330 Personen. Auf zahlreichen Proben reifte in mir die Erkenntnis, dass viele Situationen auf und abseits der Bühne nur funktionierten, weil alle Beteiligten entweder weiß waren oder ein potentielles Publikum imaginierten, das weiß war.
Vom Privileg, einen Affen zu spielen
Ein Beispiel: Die erste Arbeit, die ich begleitete, war Alexander Giesches Performance «Yesterday You Said Tomorrow». Dort sieht man drei weiße Performer*innen mit Oculus-Rift-Brillen in einem schneeweißen Wohnzimmer abhängen und in virtuellen Welten wandeln. Eine Performer*in hat einen Affen zum Avatar, und so sieht man auf der Bühne, wie sie einen Affen imitiert und später vor einer großen Projektion eben jenes Schimpansen-Avatars Affenlaute von sich gibt. Mir wurde in der x-maligen Betrachtung dieser Szenen klar, dass nur eine weiße Schauspieler*in das Privileg besitzt, auf der Bühne die Körperlichkeit ...
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Theater heute Oktober 2017
Rubrik: Identitätspolitik, Seite 49
von Anta Helena Recke
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