Offener Brief
Sehr geehrtes, weißes amerikanisches Theater, als Gemeinschaft Schwarzer, indigener und PoC-(BIPOC-)Theatermacher*innen sind wir im Vermächtnis von August Wilsons Rede «The Ground On Which I Stand» zusammengekommen, um euch genau zu sagen, auf welchem Boden wir nach den Bürgerunruhen unserer Nation stehen.
Wir sehen euch. Wir haben euch immer gesehen. Wir haben beobachtet, wie ihr vorgegeben habt, uns nicht zu sehen.
Wir haben beobachtet, wie ihr euer weißes Privileg nicht hinterfragt und uns eingeladen habt, mit jenem Rassismus und Patriarchat Geschäfte zu machen, die in unseren Körpern schwären, während wir auf euren Bühnen dagegen protestieren. Wir sehen euch.
Wir haben beobachtet, wie ihr ein Stück nach dem anderen auf den Spielplan setzt, für ein weißes Publikum geschrieben, inszeniert, besetzt, choreografiert, designt, gespielt, dramaturgisch betreut und produziert von den weißen Theatermacher*innen in euren Kontaktlisten, während ihr ein BIPOC-Stück, sofern überhaupt, auf einen Quotenplatz verweist. Wir sehen euch.
Wir haben beobachtet, wie ihr unsere Stimmen hervorhebt, wenn sie von der Presse gelobt werden, euch aber weigert, unsere Ästhetik zu verteidigen, ...
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Theater heute Juli 2020
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Red.
Nicht mit mir! Schieb dir dein scheiß Lexikon sonst wohin. Und zwar kreuzweise!», brüllt Markus Michalik. Er spielt den Theo in Philipp Löhles Komödie «Die Mitwisser» und tobt auf der Bühne wie Rumpelstilzchen. Sein Bewegungsradius ist dabei allerdings sehr klein. Und der Angebrüllte hat sich verdünnisiert. Um Michalik herum ist es leer. Denn wer derzeit auf einer...
Wenn es sich alle Theater so leicht machen könnten wie das in Ingolstadt! Dort entschied man sich, als langsam klar wurde, dass Corona die ganzen fertigen Planungen für die nächste Saison zunichte machen würde, für einen radikalen Schnitt: «Wir haben unseren Spielplan 2020/2021 um ein Jahr verschoben, da dies ein wunderbarer Spielplan ist, wir aber nicht damit...
Ich war auch einmal, vor langer und für kurze Zeit, mit einer Schauspielerin zusammen, die zuvor Sekretärin gewesen war. Eines Nachts verließ sie mich. Wir waren 24 und gerade schlafen gegangen, nach einem dieser feuchtfröhlichen Abende mit ihrem Regisseur in einer einschlägigen Hamburger Theaterkneipe. Plötzlich setzte sie sich kerzengerade im Bett auf. «Ich muss...
