Offene Wunde
Es ist mein innerlichstes Stück», sagt die 31-jährige Autorin, die im vergangenen Sommer als Nachwuchsdramatikerin des Jahres gewählt wurde und diesen Sommer schon ihr sechstes Stück vorlegt. Sie hat gerade ihr Studium Szenisches Schreiben an der UdK Berlin absolviert und bereits das Reich der Profis erreicht. Spannende Inszenierungen sind aus ihren Texten hervorgegangen: Kriegenburgs «Protection» etwa oder Roger Vontobels «Monsun». Sie hat alle Aufführungen gesehen, und das hat Folgen. In ihrem neuen Stück stellt Anja Hilling den Mehrwert des Theaters noch mehr in Rechnung.
Sie überfordert das Theater im besten Sinne, indem sie nicht nur die dramatische Einheit von Raum, Zeit und Handlung vollends auflöst, sondern auch die Logik ihrer Figuren ad absurdum führt: Es gibt keine Einheit der Handlung mehr, die sich wenigstens am Ende des Stückes behaupten lässt, keine Chronologie der Zeit, die das Erleben nachvollziehbar macht, keine Identität der Figuren, die nicht anzweifelbar ist. Also bewegen wir uns bei der Lektüre im «Chaos der Rekonstruktion», wie die Autorin selbst eine Szene kommentiert, bei der Passanten einen Unfall beobachtet haben, den jeder Einzelne anderes beschreibt. ...
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1. THE FLYING CARPET
kurz vor meiner zeit in münchen schlug ich mir mit meinen kumpels die nächte in bielefeld an der tür im SUBWAY um die ohren – wir verdienten geld damit leute entweder rein oder nicht rein zu lassen – hauptsächlich waren das leute wie wir an der tür: schwarzköpfe jeglicher herkunft: türken – araber – trainigsanzugsalbaner – lederlackitaliener...
Das Jahr 2005 war für Lukas Bärfuss in mancherlei Hinsicht ein bedeutendes Jahr: Er wurde Vater, wurde mit seinem Stück «Der Bus (Das Zeug einer Heiligen)» zum Dramatiker des Jahres gewählt und mit einem früheren, «Die sexuellen Neurosen unserer Eltern», in siebzehn Sprachen übersetzt. Gerade deshalb hat er bei der Arbeit an seinem aktuellen Stück »Die Probe» das...
Das Theater hat mich besser in allem gemacht», findet Abdul. «Das Gute ist, dass alle zusammenhalten, dass alle mitarbeiten», lobt Christin. «Man nimmt andere Rollen an, versetzt sich in die Lage anderer Menschen, das gefällt mir – sich selbst loslassen, jemand anderes werden», sagt Marina. Abdul, Christin und Marina, alle 16 oder 17, gehen ins berufsvorbereitende...
