Offene Wunde

Anja Hilling: «Engel»

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Es ist mein innerlichstes Stück», sagt die 31-jährige Autorin, die im vergangenen Sommer als Nachwuchsdramatikerin des Jahres gewählt wurde und diesen Sommer schon ihr sechstes Stück vorlegt. Sie hat gerade ihr Studium Szenisches Schreiben an der UdK Berlin absolviert und bereits das Reich der Profis erreicht. Spannende Inszenierungen sind aus ihren Texten hervorgegangen: Kriegenburgs «Protection» etwa oder Roger Vontobels «Monsun». Sie hat alle Aufführungen gesehen, und das hat Folgen. In ihrem neuen Stück stellt Anja Hilling den Mehrwert des Theaters noch mehr in Rechnung.

Sie überfordert das Theater im besten Sinne, indem sie nicht nur die dramatische Einheit von Raum, Zeit und Handlung vollends auflöst, sondern auch die Logik ihrer Figuren ad absurdum führt: Es gibt keine Einheit der Handlung mehr, die sich wenigstens am Ende des Stückes behaupten lässt, keine Chronologie der Zeit, die das Erleben nachvollziehbar macht, keine Identität der Figuren, die nicht anzweifelbar ist. Also bewegen wir uns bei der Lektüre im «Chaos der Rekonstruktion», wie die Autorin selbst eine Szene kommentiert, bei der Passanten einen Unfall beobachtet haben, den jeder Einzelne anderes beschreibt. ...

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Theater heute Jahrbuch 2006
Rubrik: Neue Regeln, Seite 148
von Marion Tiedtke

Vergriffen
Weitere Beiträge
Uraufführungen und Erstaufführungen der Spielzeit 2006/2007

Uraufführungen

A Herbert Achternbusch Herz und Kopf (Nationaltheater Mannheim)

Woody Allen Sweet and Lowdown (Theater Krefeld-Mönchengladbach)

Melanie Arns Heul doch! (Theater Bielefeld)


B Lukas Bärfuss Die Probe (Münchner Kammerspiele), Marc Becker Terror-Programm (Arbeitstitel, Staatstheater Oldenburg), Thorsten Becker Katte (Hans-Otto-Theater Potsdam), Sibylle...

Die Zerstörung der Bilder

Liebe ist eine bestimmte Art von Angewiesensein, mein sonderbarer Herr.» Mit diesem Anfang hatte die Autorin mich, einen männlichen Leser, für sich eingenommen. Eine diskretere Liebeserklärung war kaum vorstellbar, und ich folgte, wenn auch erst im dritten Anlauf, durch ihren Sprachstrom. Meine Hoffnung, nicht jeden Strudel, nicht jede steile Kurve zum Verlassen...

Trauma und Boulevard

The history of my family started with my birth», sagt Savyon Liebrecht, «ich weiß nicht, wer meine Großeltern, meine Onkel, meine Tanten waren, meine Eltern haben nie ein Wort darüber verloren.» Zürich, Café Odeon. Wir sitzen an der Bar. Gut hundert Meter weiter schimmert der See, knapp hundert Jahre früher tranken Lenin, die Dadaisten und die künftige Crème de la...