Öffnungen, Entdeckungen
Kann mal bitte jemand die Zikaden abstellen? Theater beim Festival von Avignon ist zu weiten, oft den schönsten Teilen Theater an der freien Luft. In romanischen Kreuzgängen, barocken Innenhöfen, klassizistischen Gärten. Das hat zur Folge, dass auch mal ein dicker Käfer auf dem Mond im «Sommernachtstraum» herumbrummt oder dass weit oben im Pro -vencehimmel die Schwalben kreischen, ohne sich weiter um das Bühnengeschehen zu kümmern. Und eben so gut wie durchgehendes Grillengezirpe.
Ab Temperaturen um 23 Grad legen die Langfühlerschrecken los, heißt es, in diesen Sommernächten wurde die Grenze selten unterschritten. Kein Wunder, ärgert sich der schicke Rockstar – weiße Cowboystiefel, weiße Fransenjacke, weißer Stetson – in Philippe Quesnes «Garten der Lüste» («Le jardin des délices»). Er will ein selbstverfasstes Gedicht rezi -tieren, der Insektengesang stört. Womit er nicht gerechnet hat, und ganz gewiss auch niemand im Publikum, ist, dass sein Kollege am Keyboard dienstbeflissen einen Schalter umlegt – und es herrscht Stille im Felsenrund.
Cowboys, Eier, 3D-Skelette: Quesne meets Bosch
Wie er die Grillen zum Schweigen gebracht hat, bleibt Philippe Quesnes Geheimnis. Der ...
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Theater heute Oktober 2023
Rubrik: Festivals, Seite 27
von Andreas Klaeui
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Ach, wie schön ist doch die Liebe! Alles ist leicht, wenn sich Leonie Hämer und Fanny Staffa als Sylvia und Sybille nackt auf der Bühne wälzen und dabei mit sich und einer großen Stoffrolle vergnügen. Die Welt ist fern, und Glück strömt aus allen Poren. Die Zuschauer:innen sitzen allerdings in einer Arenaordnung um die beiden herum, und alle wissen: Es bleibt...
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