Mehr als einfach gut gemacht
Im Mai 2011 tauchte an der Karl-Marx-Allee plötzlich ein großes Schild auf, direkt vor dem ehemaligen kleinen Bungalow am Haus der Statistik. Darauf war in schönster Ferienkatalog-Ästhetik der Entwurf des geplanten Bauvorhabens «Berlin del Mar» zu sehen, eine Ferienhotelanlage mit King-Size-Pool, in Kooperation mit TUI.
– Hier?, fragte man sich natürlich, direkt am Alexanderplatz zwischen Touristentransfers und trostlosem Event-Shopping? Und ausgerechnet im Haus der Statistik, dem riesigen, maroden 70er-Jahre-Kasten, in dem nach der Wende vorübergehend die Gauck-Behörde Stasi-Akten sichten ließ? Auf den ersten Blick befürchtete man ein neues Imageprojekt der Berlin Tourismus & Kongress GmbH, die die Hauptstadt damals penetrant als «Strandbar-Metropole» vermarktete. Doch bald entpuppte sich «Berlin del Mar» als temporäre Theater-Adresse für ein gleichnamiges Performance-Festival, das sich mit Berlins urbaner Mitte als «Creative City oder touristischem Hyperraum?» auseinandersetzen wollte – eben mit dem Verschwinden der kulturellen Freiräume in der Stadt. Als Bauherrin firmierten die Berliner Sophiensaele, deren eigene Immobilie zwischenzeitlich renoviert wurde.
Es war Franziska ...
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Theater heute Oktober 2023
Rubrik: Bilanz, Seite 52
von Anja Quickert
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