Nürnberg: Mit Sprache geschlagen

Peter Handke «Kaspar»

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Das ist nicht der romantische Unschlittplatz, wo man ihn einst fand, verwirrt, verdreckt und stammelnd. Das ist der harte Eiserne Vorhang, an den zwei Herren in weißen Anzügen den Kaspar Hauser schmeißen, immer wieder, brutal und ohne Gnade für die arme Geburt. Einen Jux machen sie sich daraus, die Kreatur zu demütigen, sie mit Worten und Fäusten zu traktieren. Die bringt, wie bekannt, nur ein paar rätselhafte Floskeln hervor. Die Haare voller Stroh, die dürftige Unterkleidung verschlissen, stammelnd: «Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

»

Kaspar Hauser ist erneut in Nürnberg angekommen. Hier, wo er am 26. Mai 1828 als geistig zurückgebliebener Jugendlicher plötzlich auftauchte, steht er nun wieder auf der Bühne. Aber nicht als historisch verbürgte Figur, über die sich die Forschung in den letzten Jahrhunderten oft irrwitzig den Kopf zerbrach, der man adlige Herkunft andichtete und die man zum Exempel nahm für ge- oder auch missglückte Sozialisation – nein, als Anti-Held eines frühen Theaterstücks von Peter Handke.

Um Methoden der «Sprechfolterung», sagt der Autor, ging es ihm, und das nimmt Regisseur Jan Philipp Gloger sehr ernst. Seine Inszenierung ...

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Theater heute Februar 2020
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Bernd Noack

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