Noch kollektivere Kollektive!

Die neuen Freuden des Gemeinsinns: Bacchanten, sinistre Performer, russische Revolutionäre und schwule Fußballer machen den Londoner Theaterherbst weniger grau

Theater heute - Logo

Diesen Herbst herrschte in London eine relative New-Writing-Flaute. Außer einer Überraschung kaum ein well written well-written-play in Sicht. Um dem legendär schlechten englischen Wetter gen Jahresende zu entkommen, bot das Londoner Theater stattdessen relativ exotische Ausflugsziele an: die Berge von Theben, eine gute Stube im revolutionären Russland, einen liebevoll gepflegten Fußballplatz in Northbridge – und das Innere der Erde. 

Die Gruppe Kneehigh aus Cornwall fing vor 20 Jahren in einer Scheune an, Theater zu machen.

Man glaubte an’s Kollektiv und tut es noch – denn man ist ganz gut damit gefahren. In zwei Dekaden hat Kneehigh es vom lokalen Geheimtipp zu einer der innovativsten Touring Companies der Insel gebracht, Zusammenarbeit mit dem National Theatre und den großen regionalen Theatern wie West Yorkshire Playhouse oder Bristol Old Vic inklusive. Die Zauberformel scheint zu sein, mit einfachsten Mitteln und multitalentierten Kollaborateuren so viel Bühnenanarchie wie möglich zu verbreiten und dabei im Idealfall auch noch eine Geschichte zu erzählen. Als Vorlage dienen meist Sagen, böse Märchen und antike Stoffe. Nach «Tristan und Isolde» zeigen sie jetzt recht frei nach ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2005
Rubrik: Ausland London, Seite 24
von Patricia Benecke

Vergriffen
Weitere Beiträge
Flüchtige Ahnung

Was für eine Stadt! Gegen 23 Uhr arbeitet sich die Berichterstatterin einsam, Pfeifen hilft, am Parkrand entlang zum nicht minder leeren Boulevard, der eine Art Zentrum markiert. Beate Uhse und Rossmann flimmern verlassen vor sich hin, letzte Kunden drängeln am Tresen von McDonald’s. Vom stillen Hotel aus der Blick auf den stillen Opernplatz – kein Mensch, kein...

Verstörungen im Mittelmaß

Manche Menschen haben eine merkwürdige Vorstellung von Samaritertum. Ein Frau, der sowohl Mann wie Liebhaber im World Trade Center verstorben sind, fährt danach wahllos Menschen an, damit sie das Leben wieder schätzen lernen. Dagegen fällt der streunende Dichter, der streitende Paare und einsame Trinker mit Penetranz nötigt, sich von ihm ein Trostpoem verfassen zu...

Belanglos in Boston

Steht bei den Angaben zum Autor, er habe gleich für sein erstes Stück einen Preis erhalten, wird aber nicht preisgegeben, welcher Preis das genau war, gerät man ins Grübeln. Im Falle des 53-jährigen amerikanischen Theaterautors Richard Dresser hält das Grübeln während der Lektüre von «Schüsse ins Herz» an. Geschrieben hat er die Beziehungskomödie 1997. Sein...