Neuro-Perspektiven
Letztlich war der Kaffee schuld. Dabei hatte der ehrgeizige Neurochirurg alles so perfekt geplant: zuerst dem Werbefuzzi namens «Du» irgendwie sein schriftliches Einverständnis abgeluchst, dass er ihn nächtens in seiner Wohnung überfallen darf, sein Gehirn entnehmen, in eine Nährlösung packen und an einen Computer anschließen, der ihm eine perfekte Umwelt vorgaukeln soll. Leider kann die Software nicht einmal guten Kaffeegeschmack simulieren, und die Küsse mit der neuen Praktikantin schmecken aus der Datenkonserve auch ernüchternd schal.
Es muss doch was Spezielles dran sein an der Wirklichkeit, die das Leben interessant macht.
Zu diesem nicht weiter überraschenden Ergebnis kommt Konstantin Küsperts «mensch maschine», nachdem der dämonische Nervendoktor noch die beteiligte Gefäßchirurgin aus dem Weg geräumt hat und sich ausdauernd mit seinem nerdhaften, aber mit großzügiger Fehlertoleranz ausgestatteten Programmierer herumgestritten hat. Am Ende steht die Einsicht, dass irgendein durchgeknallter Wissenschaftler immer zu allem bereit sein wird, aber die Rechenkapazität heutiger Rechner für ordentliche Wirklichkeitssimulationen einfach noch nicht hinreicht.
Sahar Amini hat den neuen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2013
Rubrik: Chronik Regensburg, Seite 59
von Franz Wille
Allem Anfang muss ein Zauber erst injiziert werden, und Stefan Bachmann und sein Team arbeiten hart daran, Köln zu verzaubern. Die Neugier auf den Nachfolger Karin Beiers ist groß. Bachmann tritt ein gutes Erbe an. Wenn ein Theater so ins Zentrum der Aufmerksamkeit einer Stadt gerückt worden ist, kann man auch riskieren, es räumlich an die Peripherie zu...
Auch über ein Jahr nach Erscheinen steht «1913», Florian Illies’ Canapésammlung des deutschen Künstlerklatsches am Vorabend des Ersten Weltkrieges, noch auf den oberen Rängen der Bestseller-Listen. Denn es ist auch zu schön: Saftig wegzulesen wie eine «Gala», frischt man dabei auch einige verblüffende zeit- und kunsthistorische
Zusammenhänge auf. Und erfährt zudem...
«Nackte Tatsachen», das Stück im Stück, steht kurz vor der Premiere, die Generalprobe zieht sich in die Nacht. In Katrin Bracks klapprig wirkendem Sperrholzbühnenbild über zwei Etagen hecheln die Schauspieler hinter ihren Figuren durch eine zotige Schmierenkomödie. Schauspielerin Traute von Dorffmanstrautt (Victoria Trauttmansdorff) kämpft lasziv entnervt als...
