Neues von der Peripherie
Ein Thema, das sich zwar keiner großen Beliebtheit, aber großer Bekanntheit erfreut: das Sterben. Die jüngere Generation hält es für eine lästige Begleiterscheinung des Lebens. Die mittlere Generation betrachtet es schockiert aus der Distanz, die ältere argwöhnisch aus der Nähe. Im Theater sitzen sie nebeneinander und schauen auf Biljana Srbljanovics neues Stück.
Stücke über das alltägliche Sterben, nicht über das Resultat, den Tod, sondern über den ruhmlosen Prozess des Auf-ihn-Zutreibens, über das gewöhnliche, völlig unexemplarische Jedermanns-Sterben, sind selten.
Biljana Srbljanovic hat es mit der ihr eigenen selbstsicheren Selbstentblößung gewagt, in einer Rede im Wiener Burgtheater im letzten Jahr das Sterben ihres Vaters zum Anlass von Reflexionen über ihr Land, Serbien, und sich selbst zu nehmen. Und sie hat es nun gewagt, diese hochpolitische, zutiefst private Rede als Ausgangspunkt für ein Theaterstück zu nehmen. Der Auftrag kam vom Schauspielhaus Bochum.
Die Vater-Tochter-Beziehung ist der Kern des Stückes. Solche Beziehungen können auch über räumliche Distanz hinweg sehr eng sein. Das kennen wir. Biljana Srbljanovic zeigt uns eine balkanische Steigerung. «Ich hatte, ...
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Theater heute Januar 2012
Rubrik: Ausland, Seite 14
von Gerhard Preußer
Ferner ist keiner. 200 Jahre ist Kleist nun tot, ein Doppelselbstmord am Wannsee von einem, «dem auf Erden nicht zu helfen war». Radikaler, unversöhnter mit dem Relativierenden des alltäglichen Lebensvollzugs in der «gebrechlichen Einrichtung der Welt» als Kleist war keiner unserer Klassiker. Im Zeitalter von Ironie, achselzuckendem Laissez-faire und ideologischer...
Wer inszeniert eigentlich noch Heiner Müller? Die Frage lässt sich erschreckend klar beantworten: Im April plant Nuran David Calis in Stuttgart «Der Auftrag», spielplanlogisch die Fortsetzung von «Dantons Tod» aus der letzten Spielzeit, und im November hatte Dimiter Gotscheff Premiere von «Verkommenes Ufer Medeamaterial Landschaft mit Argonauten» im Deutschen...
Freies Theater» war mir lange eine eher Beklemmung auslösende Kategorie aus der Vergangenheit. Ich denke vor allem zurück an viel Unfreiwilligkeit. An Instandbesetzung und Beharrungsvermögen, an sehr lokale Phänomene unterhalb des Tellerrands, an basis–demokratische Gruppen mit der charmant-militanten Ausstrahlungskraft von Stadtteil- und Soziokulturprojekten. War...
