Neues von der Peripherie
Ein Thema, das sich zwar keiner großen Beliebtheit, aber großer Bekanntheit erfreut: das Sterben. Die jüngere Generation hält es für eine lästige Begleiterscheinung des Lebens. Die mittlere Generation betrachtet es schockiert aus der Distanz, die ältere argwöhnisch aus der Nähe. Im Theater sitzen sie nebeneinander und schauen auf Biljana Srbljanovics neues Stück.
Stücke über das alltägliche Sterben, nicht über das Resultat, den Tod, sondern über den ruhmlosen Prozess des Auf-ihn-Zutreibens, über das gewöhnliche, völlig unexemplarische Jedermanns-Sterben, sind selten.
Biljana Srbljanovic hat es mit der ihr eigenen selbstsicheren Selbstentblößung gewagt, in einer Rede im Wiener Burgtheater im letzten Jahr das Sterben ihres Vaters zum Anlass von Reflexionen über ihr Land, Serbien, und sich selbst zu nehmen. Und sie hat es nun gewagt, diese hochpolitische, zutiefst private Rede als Ausgangspunkt für ein Theaterstück zu nehmen. Der Auftrag kam vom Schauspielhaus Bochum.
Die Vater-Tochter-Beziehung ist der Kern des Stückes. Solche Beziehungen können auch über räumliche Distanz hinweg sehr eng sein. Das kennen wir. Biljana Srbljanovic zeigt uns eine balkanische Steigerung. «Ich hatte, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2012
Rubrik: Ausland, Seite 14
von Gerhard Preußer
Vom Ehrenbreitstein, also von hoch oben aus gesehen, scheint unten am Rheinufer im Großenganzen alles in Ordnung: Der Intendant macht gängiges Programm, sein teuer renoviertes Theater, eine historische Kostbarkeit, ist beliebt in der Stadt. Und zum Start in die neue Saison gibt’s ganz gutbürgerlich und massenkompatibel das große Format, klassisch. Auch die dritte...
Die Theaterdirektorin Emanuela Striese weiß Bescheid. «Man kann über alles Theater machen, bloß nicht über anderthalb Stunden», klärt sie den dramatisch dilettierenden Professor Gollwitz auf, der berechtigte Zweifel an der Bühnentauglichkeit seiner spätpubertären Römertragödie «Der Raub der Sabinerinnen» hegt. Und während Gollwitz (Matthias Leja) auf seinen...
Die große Treppe im weiträumigen Braunfels-Bau in München ist ein gestuftes Foyer und normalerweise Aufstieg oder Pausenplatz für Museumsbesucher. Der Berliner Künstler Olaf Nicolai machte sie an zwölf Sonntagen zur Bühne, mehr noch zum Schnittpunkt zwischen Architektur, Performance und Musik. Die Feuilletonredaktionen waren irritiert, ob da der Musikkritiker oder...
