Neues von der Peripherie
Ein Thema, das sich zwar keiner großen Beliebtheit, aber großer Bekanntheit erfreut: das Sterben. Die jüngere Generation hält es für eine lästige Begleiterscheinung des Lebens. Die mittlere Generation betrachtet es schockiert aus der Distanz, die ältere argwöhnisch aus der Nähe. Im Theater sitzen sie nebeneinander und schauen auf Biljana Srbljanovics neues Stück.
Stücke über das alltägliche Sterben, nicht über das Resultat, den Tod, sondern über den ruhmlosen Prozess des Auf-ihn-Zutreibens, über das gewöhnliche, völlig unexemplarische Jedermanns-Sterben, sind selten.
Biljana Srbljanovic hat es mit der ihr eigenen selbstsicheren Selbstentblößung gewagt, in einer Rede im Wiener Burgtheater im letzten Jahr das Sterben ihres Vaters zum Anlass von Reflexionen über ihr Land, Serbien, und sich selbst zu nehmen. Und sie hat es nun gewagt, diese hochpolitische, zutiefst private Rede als Ausgangspunkt für ein Theaterstück zu nehmen. Der Auftrag kam vom Schauspielhaus Bochum.
Die Vater-Tochter-Beziehung ist der Kern des Stückes. Solche Beziehungen können auch über räumliche Distanz hinweg sehr eng sein. Das kennen wir. Biljana Srbljanovic zeigt uns eine balkanische Steigerung. «Ich hatte, ...
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Theater heute Januar 2012
Rubrik: Ausland, Seite 14
von Gerhard Preußer
Pläne der Redaktion:
Milo Raus Hate Radio
Jürgen Kuttner
Armin Petras China-Reise
Impressum
Die Theaterzeitschrift
im 53. Jahrgang
Gegründet von
Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
Herausgeber
Friedrich Berlin Verlag
Redaktion
Eva Behrendt
Barbara Burckhardt
Franz Wille (V.i.S.d.P.)
Mitarbeit
Marion Schamuthe
Gestaltung
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Designkonzept
Ludwig Wendt Art...
Erhart Borkman schlägt die Zeit tot. Er dribbelt mit dem Basketball. Trinkt Cola und mampft Chips. Liest ein Spiderman-Comic. Kichert am Laptop. Liegt auf dem Bett und stiert an die Decke. Hindert an der Playstation eine rote Kugel daran, rechts oder links gegen die Bildschirmkante zu stoßen. Holt sich, belauscht von seiner Tante, mit Blick auf ein paar...
Lässt die französische Hausfrau ihrem Unmut freien Lauf, wissen die Kinder, dass sie sofort ihr Zimmer aufräumen müssen. Immerhin hat die Mama mit ihrem «Oh, le bordell» einen Zustand der größtmöglichen Unordnung markiert, den sie nicht mehr länger zu dulden gewillt ist.
In etwa so ist es auch in Shakespeares «Maß für Maß» und Jean Genets «Der Balkon», die jetzt in...
