Neue Wirklichkeit und Hoffnung
Einfach nur «glücklich und bedeutsam sein», meint Sie. Darauf Er: «Das wollen wir alle.» Allerdings. Aber die hehren Wünsche fügen sich nicht so einfach in zwei Zimmer auf 50 Quadratmetern «mit Klicklaminat und Linoleum -boden in der Küche, und jeder Schritt macht so ein schreckliches Plastikgeräusch». Damit ist bei Weitem noch nicht das ganze Problemfeld ausgeschritten. Hinzu kommt die Angst vor der Einsamkeit, weshalb ein Paar zusammenbleibt, obwohl es inzwischen gründlich in den Niederungen des Beziehungsalltags angekommen ist.
Außerdem pflegen sie ein paar weitere Reibungsflächen, an denen man sich ernüchtern kann: der entschlossene unerfüllte Kinderwunsch von ihr; seine geschiedene Ehe und der bei der Mutter zurückgelassene Sohn; manifester gegenseitiger Sozialneid wegen tatsächlicher oder eingebildeter Elternprivilegien sowie weitläufig diffuse Sinnund Anerkennungsdefizite plus ein Paket allgemeiner Gliederschmerzen, das zum Osteopathen getragen wird. Alles nicht ungewöhnlich.
Der Ist-Zustand von «Er» und «Sie» in Sarah Kilters «Von Wunden und Wundern» ist eine Bestandsaufnahme von durchschnittlich gehobener Unzufriedenheit bei zwei Anfang-Dreißigjährigen, deren erste ...
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Theater heute Dezember 2024
Rubrik: Das Stück, Seite 54
von Franz Wille
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