Das Stück, der Markt, der Tod und das Kaufhaus
Ein Konjunkturzyklus funktioniert im Kleinen so: Jemand erfindet ein Produkt, das alle Leute gerne haben wollen, sagen wir einen mp3-player oder das Auto. So langsam entsteht Nachfrage nach der noch seltenen Ware, und die Preise sind hoch. Das bemerken aufmerksame Hersteller, die auf den Zug aufspringen wollen und Fabriken aus dem Boden stampfen. Irgendwann gibt es mehr Autohersteller als Parkplätze und für jedes Ohr drei Musikknöpfe. Von Nachfrage kann jetzt nicht mehr ernsthaft die Rede sein. Überproduktionskrise! Die Preise fallen ins Bodenlose.
Fabriken gehen pleite und Hundertausende sind arbeitslos. Bis irgendwann alle Autos verrostet sind, die Preise wieder steigen und das Ganze von vorne beginnt.
Das ideale Produkt, Typ 1, zerlegt sich gleich nach Kauf selbst, ohne dass deswegen der Kunde unzufrieden wird. Dann kann die Nachfrage gar nicht erst einbrechen. Das Auto war fast so ein ideales Produkt, bis Audi die vollverzinkte Karosserie erfand. Bis dahin verrostete ein Mercedes in acht Jahren und ein Fiat, der halb so teuer war, in vier, was jeder ganz normal fand. Das andere ideale Produkt, Typ 2, funktioniert nach dem Apple-Prinzip: Es ist im Kern auch nur ein mp3-player, ...
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