Nepper, Schlepper, Bauernfänger

Regie- und Genietheater in Hamburg und Bremen: Am hanseatischen Doppel-«Lear» von Andreas Kriegenburg und Karin Henkel lassen sich Furcht und Schrecken beider Methoden erleben

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Die EinmaligedeutscheTheaterlandschaft­um­dieunsdieganzeWeltbeneidet ermöglicht in reibungslosem Zusammenspiel mit der Deut­schen Bahn einen tollen Inszenierungsvergleich: «König Lear» in je dreieinhalb Stunden in Hamburg und Bremen, in der glitzernden Großstadt und der an Schwarzbrot knabbernden Provinz. Am Ende jeweils qualvoller Tod und langanhaltendes, schauri­ges Verrecken. Aber wie man an dieses Ende kommt und was es bedeuten soll, darüber besteht in den beiden Hansestädten interessante Uneinigkeit.

Lear ist der große Abgewickelte der Dra­menliteratur, der Selbstabwickler, der nichts vom sozialen Abstieg ahnt, den er sich in seinem Größenwahn heraufbeschwört. Er will die Zeitenwende nicht begreifen. Passenderweise beginnt Karin Henkels Bremer «Lear» als Rücktritt des Patriarchen eines Familienbetriebs, eines Knäckebrotfabrikan­ten vielleicht, den Detlev Greisner angemessen fernseh-sonor spielt. Die ganze Bühnenschräge ist sein riesiger Schreibtisch, hinter dem er auf einem Designersessel thront. Die Bande aus Töchtern, Schwiegersöhnen und dem Berater Gloster (Sebas­tian Dominik als eine Art Mafia-Familienanwalt) fährt in angespannter Festlaune aus dem Orchestergraben empor. ...

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Theater heute April 2005
Rubrik: Aufführungen/Vergleiche, Seite 8
von Robin Detje

Vergriffen
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