Nepper, Schlepper, Bauernfänger
Die EinmaligedeutscheTheaterlandschaftumdieunsdieganzeWeltbeneidet ermöglicht in reibungslosem Zusammenspiel mit der Deutschen Bahn einen tollen Inszenierungsvergleich: «König Lear» in je dreieinhalb Stunden in Hamburg und Bremen, in der glitzernden Großstadt und der an Schwarzbrot knabbernden Provinz. Am Ende jeweils qualvoller Tod und langanhaltendes, schauriges Verrecken. Aber wie man an dieses Ende kommt und was es bedeuten soll, darüber besteht in den beiden Hansestädten interessante Uneinigkeit.
Lear ist der große Abgewickelte der Dramenliteratur, der Selbstabwickler, der nichts vom sozialen Abstieg ahnt, den er sich in seinem Größenwahn heraufbeschwört. Er will die Zeitenwende nicht begreifen. Passenderweise beginnt Karin Henkels Bremer «Lear» als Rücktritt des Patriarchen eines Familienbetriebs, eines Knäckebrotfabrikanten vielleicht, den Detlev Greisner angemessen fernseh-sonor spielt. Die ganze Bühnenschräge ist sein riesiger Schreibtisch, hinter dem er auf einem Designersessel thront. Die Bande aus Töchtern, Schwiegersöhnen und dem Berater Gloster (Sebastian Dominik als eine Art Mafia-Familienanwalt) fährt in angespannter Festlaune aus dem Orchestergraben empor. ...
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Ein Krieg ist zu Ende. Dass er damit für die Menschen, die ihn erlebt haben, für all die Heimkehrenden, Befreiten, Zurückgebliebenen noch lange nicht beendet ist, wird meist verdrängt. Anders in Lars Noréns jüngstem Stück, in dem er zeigt, dass Krieg und die Folgen eines Krieges strukturell gleich zerstörerisch sind.
Ein Familienvater kehrt aus dem Lager zurück....
Der Bühnenboden ist hochgeklappt und präsentiert ein großes plastisches Bild. Es könnte eine Satellitenaufnahme des Irak sein. Wäre das der Fall, lägen unten im Süden die Ausgrabungsstätten von Ur und weiter oben Bagdad. Etwas später klappt der geopolitisch brisante Ausschnitt der Welt einfach weg und wird zum Spielgrund einer «Egmont»-Variante, in der die...
Würden sich die britischen Theatermacher etwas besser mit deutschen Klassikerzitaten auskennen, hätten sie ihrem Kultusministerium jetzt ein glorreich Goethesches «Am Golde hängt doch alles. Ach wir Armen!» entgegenschmettern können. Statt Gretchenklage wurden andere verbale Fäuste geschüttelt in einer ungewöhnlich lauten öffentlichen Debatte um den kommenden...
