Die innere Unsicherheit
Am Anfang glaubt man einfach nicht, dass Axel Prahl das alles schafft. Im Prinzip ist die Rolle des agilen Gebrauchtwagenhändlers Bernd Willenbrock für den Schauspieler kein Problem – Prahls Spezialität sind schließlich kleinbürgerliche Milieugestalten wie ostdeutsche Imbissbetreiber oder westfälische «Tatort»-Kommissare. Schwieriger wird es mit Willenbrocks umfangreichem, vorzugsweise unter intellektuellen Frauen wilderndem Privatleben.
Schafft Axel Prahl es, dessen Ehe mit der verhinderten Künstlerin Susanne, die Bettbeziehung mit der Gesine-Schwan-haften Professorin Vera und eine Affaire mit der attraktiven Studentin Anna bei sexueller Hyperaktivität auf allen Parcours halbwegs glaubhaft zu, nun ja, verkörpern?
Auch der diesjährigen Berlinale traute man zunächst nicht zu, dass sie sich von den ersten Auftaktflops erholen würde. Doch während Axel Prahl und seine Mitspielerinnen nach einem hölzernen Einstieg in Andreas Dresens Romanverfilmung «Willenbrock» ein eher konventionelles Format zu einem mitreißenden Mentalitätsthriller emporspielen, pegelte sich das größte deutsche Filmfestival mit wenigen Ausnahmen nur knapp oberhalb des Nicht-so-Dollen ein. Was für manchen deutschen ...
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