Nachruf: Lesen, denken, schreiben
Die Wahrheit zählt zu den schönsten Erfindungen der Menschen» – diesen Satz eines Malers, der viele Jahre die Kunstakademie von Dieter Fortes Geburtsstadt Düsseldorf geleitet hat, stellt der Dichter seinem inspirierend nachdenklichen Buch «Das Labyrinth der Welt» als ein Motto voran.
Große historische Stoffe
Dieter Forte hat immer die Wahrheit gesucht, aber nie erfunden, vielmehr hat er sie mit Fantasie untrüglich gefunden. Wie kein Zweiter schien er mir in diesem Labyrinth der Welt unentwegt suchend und doch in ihm zugleich zu Hause zu sein.
Nach Atem ringend – das musste er sein ganzes Leben – durchforschte er wie mit einer Wünschelrute unsere sich permanent wandelnden Lebenslabyrinthe der Träume und Fakten, der Erinnerungen und Ahnungen, der Schönheiten und Schrecknisse, der Tränen und der Täuschungen, der Irrtümer und der großen Hoffnungen. Nur in seinem unermüdlich sanft zweifelnden und doch frohgemuten Forschen kam Dieter Forte zu seinem wahren, zu seinem poetischen Atem. Und dieser Atem schenkte ihm Gewissheit und Gelassenheit. Mehr noch: Dieser immer wieder erkämpfte Atem verschaffte ihm auch die Kraft, nach großen, den Horizont übersteigenden Stoffen zu greifen, die ...
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Theater heute August/September 2019
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Hermann Beil
Es muss ein prächtiges Beerdigungswetter geherrscht haben im Februar 1948, als Karl Valentin bestattet wurde: «Als wir fortgingen, erlaubte der Dahingegangene uns zuletzt doch auch noch ein stilles Lächeln – darüber, dass er im Fasching, am Rosenmontag gestorben war und an einem Aschermittwoch begraben worden war, an dem es aus einem filzig-grauen Himmel auf die...
Ein «Fatzer» ist im Augsburger Dialekt ein Schwätzer, ein Aufschneider. Brecht hat seiner Figur einen wahrlich sprechenden Namen gegeben. Der ichsüchtige Spötter redet und redet und geht doch unter. Er steigt aus dem Krieg aus, ein Deserteur. Lang ist’s her, der Erste Weltkrieg, und lange hat Brecht an diesem Projekt vom «Untergang des Egoisten Johann Fatzer»...
Fast jedes «man» in diesem Text könnte wahrscheinlich ein «Mann» sein. Denn auch wenn hier eine Frau schreibt, ist diese Theaterwelt immer noch eine oft sehr männliche Welt – und nicht nur die. Dessen sind sich Stefan Pucher und die Volksbühne sehr bewusst, wie schon an Ankündigung und Programmheft für die Inszenierung von Wedekinds «Lulu» zu erkennen ist....
