Frankfurt/Main: Auf ins Offene

Hermann Hesse «Siddhartha»

Als Hermann Hesse Hilfe in fernöstlicher Philosophie suchte, verarbeitete er sein Erster-Weltkriegs-Trauma. Die Fixierung auf das eigene Ich zu lösen, sich innerlich leer zu machen und me­di­tativ gelassen zu transzendieren, war für den schwäbischen Missionarssohn so etwas wie Selbsttherapie. Als Role Model wählte Hesse einen indischen Brahmanensohn, der sich als jugendlicher Stürmer und Dränger vom eigenen Vater und damit auch von den Lehren des Hinduismus und Buddhismus distanziert.

Siddhartha schließt sich Bettelmönchen an, wird aber doch ziemlich reich, bevor er all seine weltlichen Besitztümer verliert. Lange hält er nichts von Askese und genießt die schönen Seiten des Lebens, im gesetzten Alter findet er dann aber doch noch Ruhe in der Lehre von der Überwindung des eigenen Ich. 

Hesses Legende eines fernöstlichen Coming of Age war wirkmächtig. Generationen später, als die Jugend der Welt im Zeichen der Revolte gegen den Vietnamkrieg die Popkultur erfand, war «Sid­dhartha» mit dabei, wenn es im VW-Bus in Richtung Indien ging. Die Beatles zum Beispiel waren streng genommen schon keine Beatles mehr, als sie auf Siddharthas Spuren in Maharishi Mahesh Yogis Ashram Erlösung ...

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Theater heute August/September 2019
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Jürgen Berger