Nachgespielt: Hurra! Revolution!
Es ist dunkel. Und kalt. Und muffig. Die Zuschauer werden durch einen Keller gescheucht und sollen sich in das Dasein von Tagelöhnern im Kiel des Jahres 1918 einfühlen, eingezogen zu niedrigsten Arbeiten auf einem Kriegsschiff, Kohlen schippen und so, fürs Vaterland. «Es geht gegen England!», brüllt einer, und das Publikum: «Hurra! Hurra! Hurra!» Aber die Kriegsbegeisterung hält nicht lange an, die Verpflegung ist schlecht, die Befehle ergeben keinen Sinn, und die starren Hierarchien wirken demotivierend. Revolte liegt in der Luft, Meuterei gar.
In Deutschland ist man nicht stolz auf Revolutionen. Außer in Kiel. Immerhin nahm an der Förde die unfertige Novemberrevolution 1918 ihren Anfang, mit einem Aufstand von Matrosen, die am 1. November 1918, gegen Ende des Ersten Weltkriegs, den Befehl zum selbstmörderischen Auslaufen gegen die britische Flotte verweigerten. Und so immerhin kurzzeitig eine Ahnung andeuteten, was in Deutschland möglich gewesen wäre, ohne Obrigkeitsdenken, ohne Militarismus. In Kiel wird dieser Geschichte umfangreich gedacht, es gibt kommentierte Audiotouren auf Spuren der Revolutionäre, Kunst im öffentlichen Raum beschäftigt sich mit den Geschehnissen, eine ...
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Theater heute Februar 2019
Rubrik: Magazin, Seite 58
von Falk Schreiber
Franz Wille «Disko» ist Ihr viertes Stück nach «Und dann» (2013), «Vom Verschwinden vom Vater» (2015) und «Drei sind wir» (2016). Im Gegensatz zu Autor*innen-Kollegen, die zum Teil zwei oder drei Stücke in der Spielzeit verfassen, sind Sie da sehr zurückhaltend. Seit der letzten Uraufführung sind zwei Jahre vergangen. Denken Sie ein, zwei Jahre nach, bevor es an...
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Kindsmörderinnen sind kein Mythos. Wer die Nachrichten nach Müttern durchkämmt, die ihre Kinder umgebracht haben, oft gleich nach der Geburt, stößt meist auf sozial oder psychisch prekäre, als Kind selbst vernachlässigte und misshandelte Frauen, häufig allein oder in schwierigen Beziehungen. Was auch immer ihr Motiv sein mag – ökonomische Ausweglosigkeit, Druck der...
