Nachgespielt: Hurra! Revolution!
Es ist dunkel. Und kalt. Und muffig. Die Zuschauer werden durch einen Keller gescheucht und sollen sich in das Dasein von Tagelöhnern im Kiel des Jahres 1918 einfühlen, eingezogen zu niedrigsten Arbeiten auf einem Kriegsschiff, Kohlen schippen und so, fürs Vaterland. «Es geht gegen England!», brüllt einer, und das Publikum: «Hurra! Hurra! Hurra!» Aber die Kriegsbegeisterung hält nicht lange an, die Verpflegung ist schlecht, die Befehle ergeben keinen Sinn, und die starren Hierarchien wirken demotivierend. Revolte liegt in der Luft, Meuterei gar.
In Deutschland ist man nicht stolz auf Revolutionen. Außer in Kiel. Immerhin nahm an der Förde die unfertige Novemberrevolution 1918 ihren Anfang, mit einem Aufstand von Matrosen, die am 1. November 1918, gegen Ende des Ersten Weltkriegs, den Befehl zum selbstmörderischen Auslaufen gegen die britische Flotte verweigerten. Und so immerhin kurzzeitig eine Ahnung andeuteten, was in Deutschland möglich gewesen wäre, ohne Obrigkeitsdenken, ohne Militarismus. In Kiel wird dieser Geschichte umfangreich gedacht, es gibt kommentierte Audiotouren auf Spuren der Revolutionäre, Kunst im öffentlichen Raum beschäftigt sich mit den Geschehnissen, eine ...
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Theater heute Februar 2019
Rubrik: Magazin, Seite 58
von Falk Schreiber
Cineasten sind entsetzt: Angeblich wirken aufwändige Cinemascope-Filme auf modernen Fernsehern wie billige Seifenopern. Weil die TV-Geräte digital berechnete Bilder zwischen die einzelnen Filmbilder setzen würden, um so einen flüssigeren Bildablauf zu gewährleisten; «Motion Flow», «Tru Motion» oder «Intelligent Frame Creation» heißt das. Wahrscheinlich kann man nur...
Es gibt derzeit kaum ein Stück, das in derart simplen Lehren aufzugehen scheint wie «Macbeth» von Shakespeare. «Blut will Blut», wie es in der verdunkelten Fassung von Heiner Müller (aus dem Jahr 1972) heißt. Oder auch: «Himmel und Hölle haben einen Rachen / Mein Tod wird Euch die Welt nicht besser machen.» Allerorten wird gerade die Öffnung dieses Höllenrachens...
Tschechow natürlich! Sie würde gerne einmal Tschechow spielen, sagt Svetlana Belesova. Fürs Vorsprechen hatte sie den Schlussmonolog der Nina aus der «Möwe» erarbeitet, den Text zweisprachig, Russisch und Deutsch, eingeübt. Das war durchaus ungewöhnlich, aber es überzeugte. Sicher auch, weil diese Nina so viel Svetlana war – und umgekehrt: das Suchen nach einem...
