Musiktheorie und Verlässlichkeit
Heute habe ich ein Visum beantragt für meine Heimat. 22 Tage in Russland wollen begründet sein. «Eine Deutsche» macht Urlaub in ihrem Geburtsort. Nach 30 Jahren in Deutschland bekomme ich das nicht über die Lippen: eine Deutsche sein. Warum?
Mit acht Jahren kam ich aus Russland nach Deutschland. Was beginnt mit dem ersten Tag in einem fremden Land, und was ist es, was da fremd ist? Kämpfen nicht in Deutschland wie in Russland meine Nachbarn für ihr Überleben, ihre Familie, ihre Lust, ihre Unabhängigkeit, ihren Schutz? Aber mit welchen Mitteln, das ist die Frage.
Was heißt das, «sich integrieren»? In was hinein integriere ich mich? Worüber definiert sich ein Land?
Das ist erstmal ein grober Steinschlag.
Ich nehme meinen Mut zusammen und frage: In welcher Wechselwirkung steht die Größe eines Landes zu der Art und Weise, wie sich die Menschen in diesem Land organisieren? Lernen Menschen in einem kleineren Land, systematischer zu denken, um die beengten Räume optimal ausnutzen zu können, lernen sie, sich disziplinierter an Regeln zu halten, länger auszuharren, kleinere Schritte zu tun? Und die Ordnung und Verlässlichkeit, die daraus erwachsen, wirken sie anziehend?
Vielleicht, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Die Heimatfrage (2), Seite 72
von Valery Tscheplanowa
Es ist unmodern geworden, politische Eingriffe und Perspektiven noch anhand der klassischen Lagerbestimmungen vorzunehmen. Andererseits sind sich alle einig, dass die vielen skandalösen Politiker und Bewegungen, die in den letzten Monaten und Jahren Macht erworben haben, alle eines eint: Sie sind Rechte. Und sie hatten Erfolg, weil sie linke Themen umdeuten...
Auf dem Internationalen Flughafen in Kuala Lumpur: Als der Halbbruder des nordkoreanischen Präsidenten auf einem der Terminals einchecken will, nähern sich von hinten zwei Frauen und umarmen ihn. Auf den Überwachungsvideos sieht das alles spielerisch, freundlich aus, als führten sie einen kleinen Tanz auf. Wenig später bricht der Mann tot zusammen. Der Vorfall...
TH «Am Königsweg» ist, wenn wir richtig rechnen, Ihre erste Inszenierung eines Stücks von Elfriede Jelinek?
Falk Richter Nicht ganz. Ich habe vor zehn Jahren am Wiener Akademietheater «Ernst ist das Leben» inszeniert, eine Überschreibung von «Bunbury». Aber das war natürlich kein typischer Jelinek-Text. Da gab es noch Figuren, Dialoge, entliehen von Oscar Wilde. ...
