Museum der Gegenwartskunst
Dafür muss man den Berliner und seine Neigung zum Haushund einfach lieben. Steht zur Nachtzeit nur mit einem Bademantel überm Pyjama ganz jovial auf der Straße, das Bullenbeißerkettchen locker ums Handgelenk geschlungen, und sorgt sich um sein Tier. «Bienchen», brüllt den liebreizenden Kosenamen markerschütternd ins Parkett, und man kann sich lebhaft vorstellen, was für ein ausgewachsener Rottweiler darauf hört.
Heute hört Bienchen aber nicht, worauf das Herrchen noch ein paar Mal drohende Schnapplaute durch die Nacht schickt – mit jenem suchenden Blick in den hellen Zuschauerraum, vor dem man besser etwas tiefer in den Sessel rutscht.
Der «Mann ohne Hund» ist der erste von zwei Dutzend Hauptstädtern aus dem Nordostteil der Stadt, wo Berlin nicht hip, sondern vor allem grau, hässlich und piefig ist. Wer es sich leisten kann, zieht ein paar Straßen weg von der vierspurigen Greifswalder mit der rumpelnden Tram in der Mitte. Zurück bleibt, was vom stolzen Proletarier anderthalb Jahrzehnte nach der Wende noch übrig ist: der/die mehr oder weniger umgängliche Proll. Entsprechend die vorherrschenden Berufsbilder. Es gibt in Roland Schimmelpfennigs neuem Stück, seinem dritten in dieser ...
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