Museum der Gegenwartskunst
Dafür muss man den Berliner und seine Neigung zum Haushund einfach lieben. Steht zur Nachtzeit nur mit einem Bademantel überm Pyjama ganz jovial auf der Straße, das Bullenbeißerkettchen locker ums Handgelenk geschlungen, und sorgt sich um sein Tier. «Bienchen», brüllt den liebreizenden Kosenamen markerschütternd ins Parkett, und man kann sich lebhaft vorstellen, was für ein ausgewachsener Rottweiler darauf hört.
Heute hört Bienchen aber nicht, worauf das Herrchen noch ein paar Mal drohende Schnapplaute durch die Nacht schickt – mit jenem suchenden Blick in den hellen Zuschauerraum, vor dem man besser etwas tiefer in den Sessel rutscht.
Der «Mann ohne Hund» ist der erste von zwei Dutzend Hauptstädtern aus dem Nordostteil der Stadt, wo Berlin nicht hip, sondern vor allem grau, hässlich und piefig ist. Wer es sich leisten kann, zieht ein paar Straßen weg von der vierspurigen Greifswalder mit der rumpelnden Tram in der Mitte. Zurück bleibt, was vom stolzen Proletarier anderthalb Jahrzehnte nach der Wende noch übrig ist: der/die mehr oder weniger umgängliche Proll. Entsprechend die vorherrschenden Berufsbilder. Es gibt in Roland Schimmelpfennigs neuem Stück, seinem dritten in dieser ...
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Mit der normativen Grundlage der menschlichen Urteilskraft verhält es sich in etwa wie mit der Zwiebel in Ibsens «Peer Gynt». Will man zum Kern des ästhetischen Urteils vordringen, folgt Schale auf Schale, während das Auge des Betrachters der Zwiebel zunehmend selbst normative Kraft gewinnt. Wer vor lauter Tränen keine Zwiebel mehr sieht, legt sie schnell beiseite,...
Am Anfang kam das Theater ins Radio. Alfred Braun, Rundfunkpionier in den zwanziger Jahren und der erste deutsche Hörspielregisseur, hat die Urszene rückblickend immer wieder gern beschrieben: Wie sein Ensemble buchstäblich mit Pauken und Trompeten durch die Flure und Treppenhäuser im Berliner «Voxhaus» zog, vorbei an den Büros von Agenturen und Anwaltskanzleien....
Wenn sie unterrichtet, steht die «Klavierspielerin» Erika Kohut, so wie Isabelle Huppert sie bei Michael Haneke spielt, gern am Fenster ihres Studierzimmers der Wiener Musikakademie und schaut nach draußen. Das Fenster ist geschlossen, der Raum schalldicht und gefühlsresistent abgedichtet. Eine Welt ohne Welt.
Auf der Bühne des Palais Garnier der Pariser Oper, wo...
