Ein Mann für Ackermann
Wenn sie unterrichtet, steht die «Klavierspielerin» Erika Kohut, so wie Isabelle Huppert sie bei Michael Haneke spielt, gern am Fenster ihres Studierzimmers der Wiener Musikakademie und schaut nach draußen. Das Fenster ist geschlossen, der Raum schalldicht und gefühlsresistent abgedichtet. Eine Welt ohne Welt.
Auf der Bühne des Palais Garnier der Pariser Oper, wo der Musiktheater-Regisseur Haneke am 250. Mozart-Geburtstag mit dem «Don Giovanni» debütierte, gibt es auch ein Fenster und solch eine Szene wie in der filmischen Adaption des Jelinek-Romans.
Die Scheibenfront wuchtet bauchig aus und lässt in den steril stählernen Glanz einer Unternehmenszentrale die Skyline der nächtlichen City eindringen.
Don Giovanni öffnet einen Fensterflügel, so dass plötzlich aus den Schluchten der Stadt Straßenlärm schwillt. Das Vakuum hat Luft bekommen. Die drückende, dämpfende Atmosphäre klärt sich. Es ist für einen kurzen Moment ein Akt der Befreiung – und ein Hinweis, denn die Leiche Giovannis wird am Ende aus demselben Fenster geworfen. Damit drinnen wieder alles ist wie zuvor – was es doch niemals mehr sein kann. Diese nur äußerlich erfolgte Bereinigung wiederum erinnert an Hanekes ...
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