Mütter an die Macht
Dank demografischer Nachwuchssorgen wird derzeit auf allen Kanälen über die gesellschaftstauglichste Form des Mutterseins debattiert. Nur als dramatischer Konflikt wird das Lavieren zwischen Kindern und Karriere nach wie vor nicht ernst genommen. Allenfalls im Fernsehen schmunzelt man über die tapfere Familienmanagerin, die zwischen Spielplatz und Meeting hin und her hetzt. Kurzum: Es wird viel über Mutterbilder geredet, aber selten mit Müttern. Höchste Zeit, diese Lücke im aktuellen Bühnenrepertoire von berufener Seite zu schließen.
Frei von Selbstironie ist die Theaterexpedi-tion «Die deutsche Mutter», die Regisseurin Inga Helfrich zusammen mit einer Reihe einschlägig betroffener Autorinnen und Akteurinnen in der Münchner Muffathalle inszeniert hat, keineswegs. Doch zeigt sie auf gewitzte Weise, was sonst dezent unterm Deckel gehalten wird: die einsamen Kämpfe, die Mütter auch heute noch um ihr Überleben als Person jenseits reiner Funktionserfüllung führen müssen.
Helfrich und ihr Team haben nicht nur recherchiert und Texte von der Nazizeit bis heute collagiert, sondern auch direkt nachgefragt und zugehört. Der Außendefinition des Mutterbildes werden so eine Reihe unterschiedlich ...
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