Mütter an die Macht
Dank demografischer Nachwuchssorgen wird derzeit auf allen Kanälen über die gesellschaftstauglichste Form des Mutterseins debattiert. Nur als dramatischer Konflikt wird das Lavieren zwischen Kindern und Karriere nach wie vor nicht ernst genommen. Allenfalls im Fernsehen schmunzelt man über die tapfere Familienmanagerin, die zwischen Spielplatz und Meeting hin und her hetzt. Kurzum: Es wird viel über Mutterbilder geredet, aber selten mit Müttern. Höchste Zeit, diese Lücke im aktuellen Bühnenrepertoire von berufener Seite zu schließen.
Frei von Selbstironie ist die Theaterexpedi-tion «Die deutsche Mutter», die Regisseurin Inga Helfrich zusammen mit einer Reihe einschlägig betroffener Autorinnen und Akteurinnen in der Münchner Muffathalle inszeniert hat, keineswegs. Doch zeigt sie auf gewitzte Weise, was sonst dezent unterm Deckel gehalten wird: die einsamen Kämpfe, die Mütter auch heute noch um ihr Überleben als Person jenseits reiner Funktionserfüllung führen müssen.
Helfrich und ihr Team haben nicht nur recherchiert und Texte von der Nazizeit bis heute collagiert, sondern auch direkt nachgefragt und zugehört. Der Außendefinition des Mutterbildes werden so eine Reihe unterschiedlich ...
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Aus dem «urschleim» sei «doch immer was geworden», stellt Stamm fest, «vielleicht nich immer wunschprogramm alter, aber immer irgendwas […] n fleck leben im brustkorb». Die Sätze, die Dirk Laucke in «wir sind immer oben» denjenigen in den Mund legt, an denen der Wohlstand vorbeigezogen ist, sind so lebendig, dass sie zu atmen scheinen. Lauckes Sprache ist...
Lustig ist Gotscheff nie, komisch nur manchmal, grotesk fast immer. Die Kategorie des menschlichen Mitleids stellt er nur zur Verfügung, wenn er Figuren inszeniert, auf die Heiner Müllers Satz «Und immer noch rasiert Woyzeck seinen Hauptmann» zutrifft.
Aus ihnen macht er Giacometti-Figuren, aber reine Opfer sind auch sie nicht, sondern in ihrem Opportunismus ein...
Zwei junge Männer lagern auf einer Matratze. Starren und schweigen den Bühnenhimmel an, und von dort oben glotzt zurück das Nirgendwo, das den in Sinnfragen mutwillig unbehausten Helden Meursault in Albert Camus’ Kurzroman «Der Fremde» erst umhüllt, und dann genüsslich erdrosselt. Zwei junge Männer also, und da springt der eine auf, feixt und flucht, ein Dutzend...
