Mütter an die Macht
Dank demografischer Nachwuchssorgen wird derzeit auf allen Kanälen über die gesellschaftstauglichste Form des Mutterseins debattiert. Nur als dramatischer Konflikt wird das Lavieren zwischen Kindern und Karriere nach wie vor nicht ernst genommen. Allenfalls im Fernsehen schmunzelt man über die tapfere Familienmanagerin, die zwischen Spielplatz und Meeting hin und her hetzt. Kurzum: Es wird viel über Mutterbilder geredet, aber selten mit Müttern. Höchste Zeit, diese Lücke im aktuellen Bühnenrepertoire von berufener Seite zu schließen.
Frei von Selbstironie ist die Theaterexpedi-tion «Die deutsche Mutter», die Regisseurin Inga Helfrich zusammen mit einer Reihe einschlägig betroffener Autorinnen und Akteurinnen in der Münchner Muffathalle inszeniert hat, keineswegs. Doch zeigt sie auf gewitzte Weise, was sonst dezent unterm Deckel gehalten wird: die einsamen Kämpfe, die Mütter auch heute noch um ihr Überleben als Person jenseits reiner Funktionserfüllung führen müssen.
Helfrich und ihr Team haben nicht nur recherchiert und Texte von der Nazizeit bis heute collagiert, sondern auch direkt nachgefragt und zugehört. Der Außendefinition des Mutterbildes werden so eine Reihe unterschiedlich ...
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Zwei junge Männer lagern auf einer Matratze. Starren und schweigen den Bühnenhimmel an, und von dort oben glotzt zurück das Nirgendwo, das den in Sinnfragen mutwillig unbehausten Helden Meursault in Albert Camus’ Kurzroman «Der Fremde» erst umhüllt, und dann genüsslich erdrosselt. Zwei junge Männer also, und da springt der eine auf, feixt und flucht, ein Dutzend...
Der Weltreisende ist ungnädig mit den Künsten. Im Theater habe er sich stets gelangweilt, teilt er dem Mathematikgenie mit. Ganz richtig, ruft Gauß, und Humboldt mäkelt weiter. Jetzt über Romane, die sich in Lügenmärchen verlören, weil der Verfasser seine Flausen an die Namen geschichtlicher Personen binde.
Wir befinden uns auf Seite 221 und damit im letzten Drittel...
Nächste Saison geht Jörg Pohl nach Hamburg. Weg von Zürich. Leider. Denn selten trifft man in einem Theater auf einen jungen Schauspieler wie ihn, von dem man bei der ersten Begegnung denkt: «Klar, hochbegabt», und bei der zweiten: «Hm, vielleicht sogar genial?», und bei der dritten: «Okay, zweifellos genial.» Einen, dem man gerne noch jahrelang zuschauen möchte,...
