Fels und Baumskelett
Zwei junge Männer lagern auf einer Matratze. Starren und schweigen den Bühnenhimmel an, und von dort oben glotzt zurück das Nirgendwo, das den in Sinnfragen mutwillig unbehausten Helden Meursault in Albert Camus’ Kurzroman «Der Fremde» erst umhüllt, und dann genüsslich erdrosselt. Zwei junge Männer also, und da springt der eine auf, feixt und flucht, ein Dutzend Worte, lacht und legt sich wieder flach. Nun der andere. Singt, tänzelt, schnippt. Faxen, wie man sie vor ein paar Jahren von jedem jungen Mann in einem anständigen Theater erwartet hätte.
Hier, in einer Camus-Inszenierung des Basler Regisseurs Werner Düggelin, der sich zu den Camus-Pionieren des deutschsprachigen Theaters rechnen darf, sind diese Flausen ein prologischer Abschied vom ohnehin verblichenen Poptheater der Jahrtausendwende. Was nun kommt und zählt, ist der Text. Und nicht viel mehr als der Text.
Düggelin hat zwei junge Schauspieler auf Camus angesetzt. Jan Bluthardt und Sandro Tajouri. Und er hat sie szenisch an die Kette gelegt. Sie sind Meursault, ergänzen sich bruchlos zu einer Figur, vor allem aber sind sie zwei Stimmen aus einem Tagebuch, reduziert bis zur Rezitation. Sandro Tajouri spielt den Vorleser, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der Mann hat ein gutes Verhältnis zu seinem Bauch. Gemeint ist nicht der Bauch, der bei Klaus Maria Brandauer in den vergangenen Jahren deutlich an Umfang gewonnen hat. Sondern der, der ihn auf der Bühne im richtigen Augenblick das Richtige tun lässt – ein behendes Tänzchen, ein undurchdringliches Lächeln, ein schalkhaftes Schäkern mit dem Publikum. Gemeint ist der...
Dass Torberg immerhin auch dafür sorgte, dass sich der Nachruhm des wunderbar kauzigen austriakischen Dichters Fritz von Herzmanovsky-Orlando bei einem breiteren Publikum entfalten konnte, nahmen die wenigen Kenner von dessen Werken ihm eher übel – weil er sie sprachlich geglättet, mehr ins Witzige eines einverständlichen Humors transkribiert hatte. Der bedeutende...
Besonders vertrauenserweckend sieht dieser Gerichtshof nicht aus: Die Toten und Erschlagenen des Stücks – Agamemnon, Kassandra, Klytämestra und Aigisth – kehren als blutverschmierte Gräuelleichen wieder, erklimmen ein mikrofonbestücktes Podium und bekommen von einer Elektra, die auch Pallas Athene sein könnte, vier kissengroße Richterperücken übergestülpt....
