Ideendämmerung
Russland lebt nicht nur für sich selbst, sondern für einen Gedanken, und du musst die bemerkenswerte Tatsache zugeben, dass Russland nun beinahe seit einem Jahrhundert nicht nur für sich lebt, sondern ausschließlich für Europa», reibt Werssilow alias Peter Miklusz seiner Geliebten, der extrem russisch aussehenden Gaunerin Alphonsine, unter die Nase.
Der verarmte Adlige und liberale Lebemann, der einst mit einer Dienstmagd ein Kind zeugte, nämlich den «grünen Jungen» Arkadi Dolgoruski, ist nach einer champagnerseligen Nacht neben der französischen Pelzblondine (Tiphaine Raffier) erwacht, einer temperamentvollen Joker-Figur, die souverän zwischen Deutsch und Französisch, Heiner-Müller-Texten, Baudelaire-Gedichten und Bismarck-Beschimpfungen hin- und herwechselt.
Auch der fünfte (und letzte) Dostojewski-Roman, den Frank Castorf diesmal am Schauspiel Köln inszeniert, spinnt einige der Lieblingsmotive des Dichters fort, allen voran den Großantagonismus seiner Zeit: das sich der kapitalistischen Moderne und der Ratio verschreibende Europa auf der einen, das immer noch feudale, tiefreligiöse, unfreie Russland auf der anderen Seite. Zwei Seiten, die ohne einander nicht können: «Allein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 17
von Eva Behrendt
Der kleine orange-graue Vulkan hinten rechts hätte Warnung genug sein können. Aber kaum einer hat die Rauchzeichen beachtet, die er beim Einlass in Kringeln und Schwaden ausgestoßen hat, und keiner konnte sie deuten. Dabei wäre es so einfach gewesen: Es hieß «Vorsicht Dampfplauderer!» Derart unverstanden kann der Vulkan nur mehr als Ruhepol des Abends punkten,...
Kein Wunder, dass die Landvermesserin aus Thomas Köcks Stück «dritte republik» sich fragt, warum sie nicht einfach in ihrem Bett liegengeblieben ist, statt diesen «hanebüchenen Auftrag» anzunehmen. Sie soll die Landesgrenzen neu vermessen. Aber das Schneegestöber, das ihr ohne Unterlass ins Gesicht bläst und das sie bald als «beschissensten aller Jahrhundertstürme»...
Neue Stücke
Fritz Kater, entfernt bekannt mit Armin Petras, verarbeitet am Berliner Ensemble Gesagtes und Gelebtes von Heiner Müller zu «heiner 1 – 4». René Pollesch sinniert nebenan im Deutschen Theater über «Black Maria», ein geniales Rennpferd und das erste gebaute Filmstudio anno 1893. In der Schaubühne am Lehniner Platz wiederum inszeniert Marius von...
